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Tag der Architektur : Bauen als Kampfsport

  • -Aktualisiert am

Der internationale Ruf der deutschen Architektur ist glänzend. Innerhalb des Landes ist die Lage anders. Hinter sorgfältig rekonstruierten historischen Kulissen toben sich kapitalistische Verwertungsinteressen aus. Keine guten Aussichten für den „Tag der Architektur“am Samstag in Frankfurt am Main.

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          Ein glücklicher Zufall hat es gefügt, das am „Tag der Architektur“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt noch immer die Schau „Ready for take off“ zu sehen ist. In ihr wird der unspektakulär aber stetig steigende Erfolg deutscher Architekten im Ausland gezeigt. Ihre Bauwerke, egal ob in Taiwan oder Dubai, Kanada oder China, können sich sehen lassen. Und was deren überwiegend solide, selten effekthascherische und meist angenehme Gestaltung manifestiert, bestätigt der internationale Ruf deutscher Architekten: Sie gelten als zuverlässig, präzise, aufgeschlossen und kooperativ.

          Was also Bastian Schweinsteiger während der Fußball-Europameisterschaft nach dem Portugal-Sieg in juvenilem Überschwang dem derzeitigen deutschen Fußball zuschrieb, gilt auch für die deutsche Architektur: die Rückkehr zu den totgesagten und -geglaubten deutschen Primärtugenden.
          Damit hätte man also jeden Anlass, den Architekturtag rundum zufrieden zu absolvieren. Doch der jährliche Fest- und Besinnungstag des Bauens aber gilt der hiesigen Architektur. Und die wiederum ist wenig geeignet, Zufriedenheit oder Zustimmung auszulösen.

          Zwischen Retro und Bio

          Allen unter Garantie anstehenden Besucherrekorden zum Trotz und entgegen dem Optimismus, den die Gründung der Bundesstiftung Baukultur im vergangenen und die Eröffnung der privaten Dortmunder Städtebauakademie in diesem Jahr geweckt hat: bei Lichte besehen steht es lausig um unser Bauen. Denn nicht das Bemühen um Baukultur, sondern das um schnellen Profit beherrscht die hiesige Architekturszene, nicht das Reifen eines Stils oder wenigstens einiger Baukonventionen, sondern das fiebrige Hin und Her zwischen Retroarchitektur und Biomorphismus, ehrgeizigen Bilbao-Effekten und öder Pragmatik.

          Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Hamburger Hafen-City noch keinen Städtebau. Nehmen wir statt dieses Ausnahmeprojekts den Baualltag irgendeiner anderen deutschen Großstadt, zum Beispiel Dresden. Lange schon drehen sich dort rings um die rekonstruierte Frauenkirche die Baukräne. Das Ziel: die Wiedergewinnung des 1945 zerstörten und 1950 endgültig gesprengten historischen Quartiers Neumarkt.

          Verwertungsmechanismen hinter historischer Kulisse

          Nicht, dass dort mittels Betoncontainern, auf die kopierte steinerne Barockfassade appliziert wurden, ein Paradebeispiel der sogenannten Retroarchitektur entsteht, ist bedenklich. Denn die grassierende Sehnsucht Deutschlands - und insbesondere des kriegsgeschundenen Dresden - nach Kontinuität in Gestalt historischer oder historisch verbrämter Architektur deutet immerhin auf ein gestiegenes Bewusstsein vom Wert der Geschichte und der Sicherheit spendende Kraft, die ihren baulichen Zeugnissen innewohnt.

          Anstößig, respektive abstoßend ist die Kaltschnäuzigkeit, mit der hinter den historisierenden Kulissen ungeniert Verwertungsmechanismen eines ungebremsten Kapitalismus ablaufen: Von der Rückkehr der einstigen barocken Innenhöfe war zu Beginn der Bauarbeiten die Rede, und von den historischen Kellern und Fundamenten, auf denen die Rekonstruktionen so bergend wie einst wachsen würden, um Wohnraum, Arzt- und Rechtsanwaltpraxen, kleine Läden und Galerien, Bars, Restaurants und Kneipen aufzunehmen. Doch die Keller und Fundamente wurden zugunsten praktikabler Tiefgaragen beseitigt und allenfalls die Gastronomie floriert. Der riesige Rest sind Allerwelts-Malls, deren Angebot sich nicht von denen in Flensburg oder Hameln, Konstanz oder Königswusterhausen unterscheidet.

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