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Künstler Pierre Huyghe : „Statische Dinge sind so vorhersehbar“

Ist das Ihre Tochter?

Ja, sie spielt mit dem Ton. (Jetzt schweben auf dem Display neben den umgedrehten aufklappbaren Pyramiden an der Decke weitere Pyramiden.) Sehen Sie. Vieles, was hier passiert, ist nicht direkt wahrnehmbar, es beeinflusst die Umgebung, ohne dass Sie es mitbekommen.

Sind die animierten Dinge für Sie Objekte im Raum wie die anderen?

Wir unterscheiden sie anhand ihrer Physikalität, stimmt’s? Die Schwerkraft, die Dichte und Physikalität. Weil Sie von meinem Filmen sprachen – hier brauche ich keinen Film mehr im klassischen Sinne. Die Tools, die jeder mit sich herumträgt, werden Teil der Ausstellung. Man ist hier im Raum, und es tauchen Objekte auf. Ich versuche, da keine Unterschiede zu machen.

Sie nehmen eine vernetzte Welt vorweg, in der unbelebte Dinge miteinander kommunizieren.

Ja, ich beschäftige mich viel mit den Diskussionen um das Internet der Dinge. Mich interessiert, wie ich Dilemmata einführen kann: Es gibt zwei Lösungen, man muss sich zwischen zwei Dingen entscheiden, und egal, wofür man sich entscheidet...

Man verliert.

Ja. (lacht)

Das ist wieder die klassische Rolle des Künstlers, oder?

Ja, natürlich. Aber mir geht es um den Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren. Ich suche nach Dingen, die es mir unmöglich machen, Autorität über das auszuüben, was ich mache. Ich schaffe meine eigenen Werkzeuge der Antikontrolle.

Sie sprechen gerne davon, dass Ihre Arbeiten „leckschlagen“. Hat das damit zu tun?

Ja, ich will dass die Bedeutung eines Objekts leckt. Nicht wie in einer Gruppenausstellung im Museum, wo man diesen Matisse mit jenem Brancusi arrangiert, sodass zwischen ihnen ein Dialog entsteht. Ich versuche, dass es nicht nur ein symbolischer Dialog ist. Sondern dass das Symbolische und das Physische asynchron werden und die Bedeutung aus dem Objekt rutschen kann, oder das Physische aus dem Symbolischen. Dass beide nicht gleichphasig sind.

Wenn Bilder feste Rahmen verlassen und sich als Daten in jeder Form materialisieren können, wird sich dann die Vorstellung dessen, was ein Bild ist, verändern? Werden sie sich mit den tatsächlichen Dingen vermischen?

Ja. Es geht um die Frage, inwieweit Bilder von der Umgebung beeinflusst werden oder Bilder die Umgebung beeinflussen. Was ich Ihnen hier am Smartphone zeige, ist beeinflusst von der Umgebung. Noch kann das Bild auf dem Telefon den Dingen nicht direkt Licht geben. Aber per Datenübertragung tut es das schon. Wird es in der Zukunft direkt etwas beeinflussen können? Denkbar ist das schon.

Wenn Sie ein Betonpodest für künftige Kunstwerke vor Istanbul im Meer versenken, für welchen Betrachter ist das gemacht? Brauchen Ihre Arbeiten den Menschen, oder ist das Kunst für die Zeit nach dem Menschen? Genügt es, wenn Zellen, Bienen und Kameras sich selbst organisieren?

Um sich zu entwickeln, braucht die Arbeit diesen externen Faktor nicht, den man Menschen nennen könnte. Aber wenn ein menschliches Element hinzukommt, wird es den Komplex verändern. Aber zu sagen, es sei nicht für Menschen gemacht, ginge zu weit. Es ist auch nicht für die Bienen gemacht. Es geht nur um eine Verschiebung: Menschen sind hier nur Teile einer Ökologie. Sie stehen nicht an der Spitze der Pyramide.

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