https://www.faz.net/-gsa-8yoza

Künstler Pierre Huyghe : „Statische Dinge sind so vorhersehbar“

Ja, ich sehe keine Bienen. Überhaupt stehe ich hier nicht vor einer Skulptur im klassischen Sinne.

Ich war immer mehr daran interessiert, Situationen herzustellen statt Objekte. Dynamiken, die porös sind. Andere sprechen von Netzwerken, ich spreche lieber von Geweben. Die Dinge hier sind weniger vernetzt, als dass sie heterogene Systeme sind, die miteinander verflochten sind. Manche sind wahrnehmbar, andere nicht. Manche sind eher vorauszusagen, andere nicht.

Und es ist kein Werk, das eine Bedeutung hat, die auf Interpretation wartet.

Es ist nicht an mir, das zu sagen. Aber ja, ich versuche nicht, so ein Rätselspiel herzustellen.

Es gibt ein gemeinsames Gefühl, dass mit der Kunst etwas nicht stimmt. Etwas funktioniert nicht mehr.

Was meinen Sie?

Es ist, als würde dieses Ritual, dass man Exponate abschreitet, nicht mehr genügen. Was hat sich verändert? Unsere Wahrnehmung?

Wir verlangen nach Veränderung. Statische Dinge sind so vorhersehbar. Ein Wort, das ich in der Kunst gar nicht mag, ist „Installation“. Etwas ist installiert, also steht die Bedeutung fest. Es ist, wie wenn etwas, das frisch und knusprig war, gefriert. Ich wünsche mir eine gewisse Komplexität, etwas, das ich nicht vorhersagen kann. Wenn ich eine Arbeit mache wie hier, dann entstehen auf dem Weg Unfälle, die die Arbeit verändern. Wir stoßen auf Sand oder auf Betonklötze, die in den Plänen nicht verzeichnet waren. Was ich sagen möchte, ist ...

Sie sind nicht der Designer.

Genau. Wenn man schon einen Weg geplant hat, bevor man die Reise beginnt, ist das sehr langweilig.

Sie bauen tatsächliche kleine Ökosysteme, lassen Fliegen im Sprengel-Museum leben oder ziehen Stammzellen wie im Palais de Tokyo oder jetzt hier. Wenn Sie ein endloses Produktionsbudget hätten und keine Einschränkung, was wäre die größte Arbeit, die Ihnen einfallen würde?

Ich würde wohl einfach weiterbauen. Die Arbeit würde größer werden, und der Rhythmus, nach dem die Muster wiederkehren, würde sich ausdehnen.

Ihre Werke haben etwas Erhabenes. Nicht nur im Maßstab, auch in der Autorität der makellosen Oberflächen. Würden Sie zustimmen, dass Sie einer Art technologischem Erhabenem nachjagen?

Ja, ja. Witzig, dass gerade die Sonne untergeht, schauen Sie, da drüben (zeigt über die Grubenlandschaft auf die schlierige Glaswand am anderen Ende), das sieht aus wie ein Sonnenuntergang von Gustave Doré. Ich lege es nicht darauf an, aber ich lasse es zu, wenn es auftaucht.

Aber Sie lieben die Perfektion des digitalen Bildes, die Perfektion guten Timings. Sie scheinen einen Grad der Perfektion erreichen zu wollen, an dem das Material und die Technologien, die Sie einsetzen, übernehmen und Sie als Autor tendenziell verschwinden.

Ja, auf bestimmte Weise hätte ich das gerne. Die Suche nach dieser Perfektion der Selbstorganisation ist vielleicht gerade das Erhabene, man versucht hinzukommen...

... und erreicht es nicht.

Das ist jedes Mal frustrierend.

Wir erleben einen historischen Umbruch. Digitale Technologie erlaubt es uns mehr und mehr, in verschiedenen Räumen zugleich zu sein. Wie verändert sich dadurch die Beziehung von Objekt und Bild?

Ich habe das Gefühl, dass die Zirkulation der Bilder sie dramatisch verändert. Sie haben gewissermaßen ihr eigenes Leben, wenn sie von Hand zu Hand gehen, sie setzen sich neu zusammen und verändern sich. Es ist wie Dada, und jeder hat jetzt die Werkzeuge dafür. Wenn man jeden einzelnen Frame dieser Zirkulation erfassen könnte, dann könnte man sehen, wie sich die Bilder entfalten, widerstehen, sich erneuern. Die Beziehung zu Objekten wird auch komplexer, die Art, wie sie im Raum präsent sind. Schauen Sie hier (holt sein Handy raus, öffnet eine App, man sieht ein kleines Mädchen auf einem der Erdhaufen).

Weitere Themen

Auf dem Hummelpfad

Kurpark Bad Pyrmont : Auf dem Hummelpfad

Im Kurpark von Bad Pyrmont gibt es barocke Alleen, Palmen, Springbrunnen, aber auch Streuobstwiesen, Kräuter und 17 Hektar mit vielen neuen Ideen.

Topmeldungen

Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.