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Street-Art in Bremen : Legal? Illegal? Wen kümmert’s?

  • -Aktualisiert am

In Bremen hat sich heimlich eine Kunsthalle etabliert: In den ehemaligen Kaba-Hallen schaffen Sprayer und Street-Artisten zum Verschwinden verurteilte Werke.

          Früher wurde hier Kakao produziert: Eine viergeschossige Fabrik aus Ziegelsteinen, ein großer roter Kasten mit Rundbogenfenstern, um 1900 errichtet. An der Fassade prangt unter vier Palmen der Markenname, mit Blattgold belegt: „Kaba - der Plantagentrank“. Die Zeit, als hier die Fließbänder ratterten und der Kakao in gelbe Packungen gefüllt wurde, ist vorbei. Seit etwa zwanzig Jahren steht der Bau am Bremer Holz- und Fabrikenhafen leer.

          Vor Jahren haben Künstler eine offene Tür entdeckt oder eine Scheibe eingeschlagen und das Gebäude, für das sich damals niemand interessierte, in Besitz genommen. Über Monate regierte die Kunst: vier Etagen Graffiti und Street Art, Experimente mit der Sprühdose.

          Leibhaftige Sprühwesen

          Zu den bekanntesten Künstlern, die damals in die Fabrik eingestiegen waren, gehört der 1971 geborene, aus Kopenhagen stammende Sprayer „Swet“, in der Szene als „King of the Swing“ bekannt. Er sprüht klassische Graffiti, die aus seinem wandfüllenden Namenszug bestehen; für den Betrachter sind es dekorative Werke, bei denen jedoch eine gesellschaftliche Relevanz schwer auszumachen ist.

          Berührender sind die Arbeiten des ebenfalls aus Kopenhagen kommenden Street-Art-Künstlers „Armsrock“. Damals, als die Arbeiten in der Fabrik entstanden, studierte er an der Hochschule für Künste in Bremen. In den Kaba-Etagen findet man viele unverkennbare Armsrock-Arbeiten: mit sicherer Hand aufgesprühte Figuren, Kinder, Mädchen und junge Frauen auf blätterndem Putz. Lebewesen, die der realen Welt entsprungen scheinen, den Betrachter unvermittelt im Halbdunkel anschauen, ihn ansprechen, konfrontieren.

          Aliens und Jugendkrawalle

          Neben einer Frau, die siegesbewusst wie eine moderne Jeanne d’Arc eine Fahne schwingt, steht der Schriftzug „Hand me my hammer and nails - to carve the suns siluet into my eyelids“. Was hat der Text zu bedeuten? Unter einer anderen jungen Frau, sie wirkt abgekämpft und aufgewühlt, steht „Must not sleep, must warn others“; wohl ein Zitat aus dem amerikanischen Film „Invasion of the Body Snatchers“ von 1956, in dem Aliens die menschliche Zivilisation bedrohen. Ein paar Wände weiter umgeben Molotowcocktails einen vermummten Demonstranten - Verweis auf die Jugendkrawalle in den Pariser Vorstädten: „Paris - City of Love and Flames“ lautet die gesprühte Botschaft.

          Manche Arbeiten beziehen sich nicht auf die Welt, nicht auf Fiktion, sondern kommentieren den Ort: Fensteröffnungen und Rohrstutzen werden in ein Bildprogramm einbezogen, werden Teil einer räumlichen Inszenierung.

          Mauern als Leinwand

          Unklar bleibt, weshalb gerade hier, in den verlassenen Kaba-Hallen, Künstler ambitionierte Werke schufen, obwohl das weitläufige Gebäude für die Öffentlichkeit unzugänglich war und ist. Waren die Wände der Fabrik ein reines Experimentierfeld? Oder gab es die Hoffnung, dass die Arbeiten zumindest von der Szene entdeckt und wahrgenommen, dann in Facebook oder auf Flickr publiziert werden? Gleichviel - die halb- oder illegale Kunst hat die alte Fabrik vollständig erobert. Die Mauern wurden zur Leinwand, die Fabrik zur Kunsthalle. Zutritt allerdings bekommt man nur nach persönlicher Anmeldung beim Eigentümer, der „Sirius Facilities“.

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