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Stiftung zur Raubkunstaufklärung : Wann gibt es endlich Resultate?

  • -Aktualisiert am

Ende der Woche soll endlich eine Stiftung zur Raubkunstaufklärung gegründet werden: Die Regierung gibt Millionen aus für die Forschung. Nur die Erben kommen nicht zu ihrem Recht.

          Die Zahlen, die in den vergangenen Tagen von unterschiedlichen Institutionen veröffentlicht wurden, sind für die deutsche Museumswelt nicht angenehm. Fast zwei Drittel der deutschen Kunsthäuser haben ihre Bestände noch immer nicht auf NS-Raubkunst-Verdacht hin untersucht, teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Rahmen der Generaldebatte im Deutschen Bundestag mit. Und nur in einem Zehntel der Institute stünden Mittel für die Suche nach Kunstwerken und Kulturgütern zur Verfügung, die ihren legitimen Eigentümern nach 1933 abgepresst oder gestohlen worden sind.

          Schon im Frühjahr hatte Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, in einem Aufsatz ähnliche Zahlen wie Grütters genannt und festgestellt: „Der Beratungsbedarf ist weiterhin sehr hoch, wie eine Umfrage des Instituts für Museumsforschung gerade ergab - nur jedes dritte Kunstmuseum, das sich bei der Umfrage beteiligte, kennt die Fördermöglichkeiten der Berliner Arbeitsstelle, bei den Volkskunde- und Heimatmuseen nur jedes fünfte, ähnlich sieht es bei den naturkundlichen Museen und den naturwissenschaftlichen und technischen Museen aus.“ Die von ihr geleitete Stiftung stellt über die Berliner Arbeitsstelle Provenienzforschung auf Antrag Mittel zur Verfügung, mit denen Museen die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit angehen können.

          Der Verweis auf angeblich fehlende Mittel in Ländern und Kommunen ist deshalb schon seit langem kein Argument mehr, sich dieser Aufgabe immer noch zu entziehen - einer Aufgabe, die, wie gerade eine vorbildliche Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zeigt, eben längst nicht nur die Kunstmuseen betrifft. Das von Grütters geplante „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“ scheint mehr als nötig. Unter seinem Dach sollen dann zahlreiche Arbeitsstellen zum Thema vereint, ihre Arbeit effektiver organisiert und die Ergebnisse transparenter als bisher veröffentlicht werden. Sechzehn Jahre nach der „Washingtoner Erklärung“, in der sich die deutschen Museen in öffentlicher Trägerschaft zur Öffnung ihrer Archive, zur Suche nach und zur Rückgabe von identifizierter Raubkunst verpflichtet haben, fällt die deutsche Bilanz in Sachen NS-Raubkunst zwar deutlich positiver aus als noch vor einigen Jahren.

          Täuschung der Öffentlichkeit

          Entsprechend rangiert die Bundesrepublik in einer aktuellen Erhebung von Jewish Claims Conference und World Jewish Restitution Organization über die Aktivitäten der 44 Unterzeichnerstaaten von Washington zusammen mit Tschechien, den Niederlanden und Österreich ganz oben. Mehr und mehr Museen sind inzwischen bereit, sich endlich ihrer historischen Verantwortung zu stellen. Zahlreiche „faire und gerechte Lösungen“, wie sie die „Washingtoner Erklärung“ von 1998 fordert, wurden gefunden: Manche Kunstwerke wurden an ihre legitimen Eigentümer zurückgegeben, manche konnten in den Museen hängen bleiben, in die sie irgendwann fanden.

          Gar nicht alle Einigungen wurden der Öffentlichkeit bekannt. Trotzdem war die Zahl von angeblich 12.200 Restitutionen, mit denen die „Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste“ in Magdeburg Anfang des Jahres die eigene Arbeit in positivem Licht darstellen wollte, eine maßlose Täuschung der Öffentlichkeit: Die Plakatsammlung des jüdischen Chemikers Hans Josef Sachs wurde in Magdeburg nicht als eine, sondern als 4200 Restitutionen gezählt. Und als erfolgreiche Restitution gewertet, obwohl erst der Bundesgerichtshof die Rückgabe durch das Deutsche Historische Museum in Berlin anordnen musste.

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