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Schmerz im Goldenen Zeitalter : Der Heiland ist schockierend schön

Fernández verfertigte fünfzehn Versionen seines „Liegenden Christus“. Das Exemplar im Museum ist eine Dauerleihgabe des Prados, der es 1933, als das Haus seinen nationalen Status erhielt, nach Valladolid transferierte. Das Diözesanmuseum der Kathedrale von Valladolid beherbergt ein weiteres Fernández-Spitzenwerk, die lebensgroße Figur des gefangenen Christus, wie er dem Volk vorgeführt wird. Auch dieses Standbild zeigt eine Idealgestalt in anmutigem Kontrapost mit Geißelwunden vor allem am Rücken. Die porzellanartig schimmernde Körperoberfläche kontrastiert mit den gräulich abschattierten Wundmalen und dunkelroten Blutrinnsalen. Der Kopf des Erlösers neigt sich leicht, er blickt resigniert, der Mund ist halb geöffnet. Ihm gegenüber tänzelt auf einem Bein, den knabenhaften Leib nur mit Sandalen bekleidet und die Rechte grüßend erhoben, Fernández’ Verkündigungsengel - ein christlicher Gottesbote Hermes. Freilich, Fernández’ heilige Theresa, die im Barocksaal des Museums inspiriert ihre Gewänder schwenkt, sein karmelitenklösterliches Relief von Christi Taufe, die zum höfischen Pas de deux geriet, kranken schon an der die Epoche entkräftenden Pose, die ihr den Garaus machen wird.

Still trauernde Mutter Gottes in Witwentracht

Zur nationalen Sammlung gehören auch Andalusier. Ein Hauptwerk von Pedro de Mena (1628 bis 1688), seine lebensgroße, in eine Bastmatte gehüllte Maria Magdalena mit innigster Reue in den feinen Gesichtszügen, ist ebenfalls eine Prado-Leihgabe. De Menas hochgespannte Statuette des Petrus von Altcántara, des radikal asketischen Reformers des Franziskanerordens, richtet den Blick konzentriert nach oben und hält die Hände, in denen einst eine Feder und ein Buch lagen, wie ein Tänzer empor. Die flächigen Gewandfalten und Nähte der derben Kutte bilden den Kontrapunkt zum subtilen Faltenspiel des Halses und des nobel verhärmten Gesichts.

Die Marienbüste „Jungfrau der Einsamkeit“ (Virgen de la Soledad) von José de Mora (1642 bis 1725), deren tränenumflortes Antlitz der Perfektion einer japanischen Zeichnung nahekommt, repräsentiert eine einzigartig spanische Blüte des Marienkults. Dabei wurde diese Abwandlung der Schmerzensmadonna, die, ohne Schwerter in der Brust, nach Christi Grablegung ganz allein ist, erstmals von einer Französin, Elisabeth von Valois, in Auftrag gegeben, und zwar kurz nachdem sie 1560 Philipp II. geheiratet hatte und spanische Königin geworden war. Auch wenn Friedrich Schiller in seinem Drama „Don Karlos“ das Gegenteil glauben macht: Elisabeths Ehe war glücklich, wenn auch kurz, da sie früh im Kindbett starb. Hofkünstler Gaspar Becerra schuf für sie ein Andachtsbild der still trauernden Mutter Gottes in vornehmer Witwentracht, mit schwarzem Schleier über weißer Kapuzentunika. Becerras Werk wurde 1936 bei revolutionären Unruhen in Madrid zerstört. Doch die Verehrung der Einsamkeitsmadonna hat sich übers ganze Land verbreitet, einschließlich seiner damaligen Kolonien, und lebt bis heute fort.

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