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Sorgen im Louvre : Verschlossene Gesellschaft

Der Louvre feiert, doch das Pariser Museum hat Sorgen. Unkontrollierbare Jugendbanden trieben die Wächter in den Streik. Das Museum musste vorerst schließen.

          Wunderschön muss Sophie Koch am Dienstagabend im Louvre Wagners Wesendonck-Lieder gesungen haben. Pierre Bergé war ganz ergriffen von dem „schönen Konzert“, er lobte die Darbietung „und den Komponisten“ auf Twitter. Auch Jacques Attali war mit dabei und teilte seine Anwesenheit der Welt in 140 Zeichen mit: Ihm hatte es „Die Nacht von Strauss“ besonders angetan. Musik, wie sie für Franzosen deutscher nicht sein kann, stand auf dem Programm zu Ehren „des großen Henri Loyrette“ (Attali), dessen letzte große (und umstrittene) Ausstellung als Louvre-Direktor der deutschen Malerei gewidmet ist. Auch andere Besucher kamen per Tweets schon während der Abschiedszeremonie ins Schwärmen.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Loyrette hatte seine Freunde und die Republik in Person ihrer kulturellen wie politischen Elite ins größte Museum der Welt geladen. Die Rede zur feierlichen Stabübergabe hielt Staatspräsident François Hollande, der den neuen Direktor Jean-Luc Martinez ins Amt berufen hatte. Hollande lobte die zwölf Jahre unter Loyrette als Epoche großer Veränderungen. Von fünf auf zehn Millionen hatte er die Zahl der jährlichen Besucher erhöht. Den Aufbau des Louvre in der Wüste von Abu Dhabi wird Loyrette in Abstimmung mit dem Nachfolger weiterhin überwachen. „Der Louvre ist ein nationales, aber auch ein internationales Museum und in siebzig Ländern präsent“, erklärte Hollande und rief dazu auf, die „Demokratisierung“ dieses Museums weiterzuführen. Er bescheinigte Loyrette „moralische und intellektuelle Eleganz“.

          Beschimpft und bespuckt

          Dieser wiederum bedankte sich bei Hollandes Vorvorgänger Jacques Chirac, von dem er berufen worden war. Loyrette unterstrich die Dimension des Louvre als Leuchtturm französischer Kultur. Als Direktor hat er hat das Mäzenatentum, aber auch die Kommerzialisierung vorangetrieben und den Louvre der zeitgenössischen Kunst geöffnet: „Wenn ein Museum das künstlerische Schaffen nicht zu stimulieren vermag, ist es dem Tode geweiht.“

          Am Morgen nach dieser ziemlich geschlossenen Veranstaltung standen Tausende von Touristen, die nur das Museum besuchen wollten, abermals vor verschlossenen Türen. Die Wärter waren in einen nicht angekündigten Streik getreten: Gegen die Taschendiebe. Deren Präsenz in den Museumssälen ist eine Nebenfolge der sozialen Kulturpolitik. Nicht die Sozialisten, sondern Sarkozys Kulturminister Frédéric Mitterrand hatte für Jugendliche bis 26 Jahren den Nulltarif durchgesetzt. Seither wird der Louvre von Roma-Jugendbanden heimgesucht, die die Besucher bestehlen. Weil die Diebe minderjährig sind, werden sie nach einer Verhaftung gleich wieder freigelassen. Sie beschimpfen und bespucken die Wärter, die deshalb bereits mehr als 150 Klagen eingereicht haben.

          Die Museumsleitung sucht seit Monaten mit der Polizei nach einer Lösung des Problems. Während der Abschiedszeremonie für Loyrette, mit der sich die gebeutelte Republik eine willkommene Auszeit von all den Skandalen leistete, kam es nicht zur Sprache. Am Donnerstagmorgen, als die Türen wieder aufgingen, patrouillierten zwanzig Polizisten durch die Säle.

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