https://www.faz.net/-gqz-966vj

Pariser Jagdmuseum : Brillianter Fisch sucht Fischerin

  • -Aktualisiert am

Die Künstlerin Sophie Calle geht im Pariser Jagdmuseum auf die Pirsch und zeigt in ihrer schrägen Schau: Im Angesicht des Todes sind sich Mensch und Tier sehr nah.

          Die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch Stil und Inhalt von Kontaktanzeigen. „Zeigen Sie mir eine schöne Braunhaarige“, schreibt so ums Jahr 1900 ein Heiratswilliger, „mit schlichtem, rustikalem Geschmack, die Jagd und Haushalt liebt und Waise ist. Mitgift zuzüglich 5000 bis 20.000 Francs Rente. Belohnung: ein Gewehr.“ Heute klingt das ziemlich anders. „Schöner Fisch, 40 Jahre, brillant, charmant, mit Allüre und ohne Tabu sucht bodenständige Fischerin, um ihr den Hof zu machen.“ Gemein ist beiden Annoncen eines: die Thematik der Jagd. Jagd nach Liebe, Jagd nach Mitgift, Jagd nach einer Haushaltshilfe und/oder besseren Hälfte.

          Die zwei Inserate erheitern zurzeit die Besucherinnen und Besucher des Musée de la chasse et de la nature in Paris. Sie sind dort neben Hunderten weiterer Teil einer neuen Serie der französischen Konzeptkünstlerin Sophie Calle. „Le Chasseur français“ vereint auf zehn Wandtafeln, die je ein Jahrzehnt zwischen 1895 und 2010 abdecken, ausschließlich durch Männer aufgegebene Heiratsanzeigen aus dem titelgebenden Jäger-Blatt.

          Wie ein Trüffelschwein auf Spurensuche

          Auf jeder dieser Tafeln sind einzelne Wörter oder Ausdrücke, die sich von Anzeige zu Anzeige wiederholen beziehungsweise demselben lexikalischen Feld angehören, farblich hervorgehoben. So wird für jedes Jahrzehnt ein Profil der jeweiligen Trophäen-Frau umrissen: „mit oder ohne Fleck“ für das Jahrzehnt vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs; „lieb“, „zärtlich“ und „anhänglich“ für die Zwischenkriegszeit; „vollbusig“ in allen möglichen Variationen für die 1980er Jahre.

          Dass lebende Künstler eingeladen werden, in Museen temporäre Schauen auszurichten, die in Dialog mit der Dauerausstellung treten, ist heute banal. Selten jedoch wirkt das Ergebnis einer solchen Initiative so stimmig wie zurzeit „Beau doublé, Monsieur le marquis!“ im Pariser Jagdmuseum. Das liegt zum einen daran, dass Sophie Calle sich seit je mit Themen befasst, die denen des Musée de la chasse eng verwandt sind. So schafft die Konzeptkünstlerin Dispositive, die Fallen gleichen, um Beute zu schlagen in Gestalt ahnungsloser Passanten beziehungsweise freiwilliger Teilnehmer an ihren Installationen zum Mitmachen.

          Oder aber sie begibt sich gleich einem Trüffelschwein selbst auf Spurensuche, stürzt sich wie ein Bluthund in erschöpfende Treibjagden auf Unbekannte – so sie sich nicht selbst durch einen Privatdetektiv verfolgen lässt. Ein gutes Beispiel für eine derartige Pirsch – um die Jagd-Metapher weiterzuspinnen – ist die „Suite vénitienne“ von 1980, ein Ensemble von Fotos, Texten und Stadtplänen, das die mehrtägige Beschattung eines Quasi-Unbekannten im winterlichen Venedig dokumentiert.

          Weitere Themen

          Direkter Demokrat

          Fergus Millar ist tot : Direkter Demokrat

          Er provozierte eine der heftigsten Debatten in der jüngeren Geschichte seines Faches: Zum Tod des englischen Althistorikers Fergus Millar.

          „Harri Pinter Drecksau“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Harri Pinter Drecksau“

          Jürgen Maurer spielt Harri Pinter, einen Mitvierziger, der von sich und seinem Auftritt mehr als überzeugt ist. Als seine Freundin ihn jedoch betrügt, gerät sein Selbstbild ins Wanken. Der österreichische Film läuft am 19.07.2019 um 20.15 Uhr auf arte.

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Mittwoch in London

          Parlament gegen Johnson : Aufstand gegen den No-Deal-Brexit

          Noch ist Boris Johnson nicht Premierminister. Aber er spielt schon öffentlich mit dem Gedanken an einen Austritt ohne Abkommen. Jetzt reagiert das Parlament – und macht ihm eine solche Lösung durch einen Trick schwerer.

          Verhör von Carola Rackete : „Es sollte um die Sache gehen“

          Die „Sea-Watch“-Kapitänin kritisiert nach ihrer Anhörung den Rummel um ihre Person. Der lenke vom eigentlichen Problem ab: dem Umgang mit den Migranten im Mittelmeer. Doch Racketes Äußerungen zur Seenotrettung sind in Italien umstritten.
          Ein Polizist mit Sprengstoffspürhund macht sich am Donnerstag auf den Weg zur Wohnung eines mutmaßlichen Gefährders.

          Razzia im Morgengrauen : Kölner Polizei setzt Islamisten fest

          Womöglich hat die Kölner Polizei mit ihrer Razzia einen islamistischen Anschlag verhindert. Einer der Männer plante nach eigenen Worten „den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens“. Die Ergebnisse der Durchsuchungen geben Anlass zu erhöhter Vorsicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.