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Pariser Jagdmuseum : Brillianter Fisch sucht Fischerin

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Zum andern jedoch ist die durch Sonia Voss kuratierte Ausstellung dem Musée de la chasse, seiner Sammlung, seinen Räumlichkeiten und seiner Ambiance ebenso subtil wie passgenau auf den Leib geschneidert. Eine spannende Schnitzeljagd bildet etwa die Suche nach den 38 „Histoires vraies“, die inmitten von Stilmöbeln, Jagdgemälden und historischen Waffen über die Säle, Salons und Kabinette der Beletage verstreut sind. Diese autobiografisch-anekdotischen Textchen mit pointierter Form und oft leicht absurdem Inhalt werden in kitschigen kleinen Rahmen präsentiert, die Hunde und Wölfe, Hirsche und Elche, Adler und Fasane darstellen. Ein anderes älteres Werk, die Serie „Dommages collatéraux. Cœur de cible“, zeigt im sogenannten Trophäensaal, dessen Wände Gewehre und Geweihe sonder Zahl zieren, zehn Porträtfotos von Delinquenten, die in einer US-amerikanischen Stadt als Ziele für Schießübungen missbraucht wurden.

Im Kabinett der Lockvögel wiederum rezitiert – via Lautsprecher – ein ebenso schräger wie verführerischer Vogel, nämlich Calle höchstselbst, ein dreiminütiges Poem. Es handelt sich dabei um eine Liste von knapp 150 Wörtern oder Ausdrücken aus dem Jägerlatein, die anscheinend nach klanglichen, rhythmischen und semantisch-assoziativen Kriterien komponiert wurde. Dieses Lautgedicht ohne (zumindest für Nichtjäger) erschließbare Bedeutung ist unter dem Titel „Les Fanfares de circonstance“ auch in Form eines Kunstbuchs mit passendem Etui aus Webpelz greifbar, das die Pariser Editions Xavier Barral herausgegeben haben.

Calles jüngste Arbeiten, fast alle aus dem Jahr 2017, finden sich in den ebenerdigen Sälen für Wechselausstellungen. Die meisten von ihnen thematisieren das Verschwinden – und spezifischer den Verlust geliebter Wesen. Sujets, die sich wie Leitmotive durch das Werk der Künstlerin ziehen, durch den Tod ihres Vaters sowie ihres Katers letztes Jahr aber schmerzhaft neue Dringlichkeit erhalten haben. Calle trägt den doppelten Verlust mit einer charakteristischen Mischung aus verspielter Schwere und hintergründiger Leichtigkeit.

Ein weiß gerahmter Text über einem Foto des Vierbeiners Souris („Maus“) bringt mit jener unnachahmlich Calleschen Mischung von banal-alltäglicher Anekdotik und schier schockierender Selbstentblößung den feinen Unterschied zwischen den beiden Trauerfällen auf den Punkt: „,Souris‘ ist der Name, den ich am häufigsten in meinem Leben ausgesprochen habe und den ich nachts noch immer manchmal flüstere. Souris’ Lieblingsterritorium war der Raum zwischen meinen beiden Kopfkissen. Diese Leerstelle ohne jeden Atem ist der Ort, wo die Abwesenheit am schreiendsten ist. Verliert man den Vater, schläft man nicht mit seinem Phantom neben sich im Bett.“

„Beau doublé, Monsieur le marquis!“ ist Calles erste größere Ausstellung in Frankreich seit Jahren. Eine stimmige, schräge, schwerelose Schau. Zu ihrem besonderen Gelingen tragen auch die Skulpturen von Serena Carone bei, welche die Konzeptkünstlerin eingeladen hat, zu ihren oftmals auf Texten und Fotos basierenden Werken einen dreidimensional-figurativen Kontrapunkt zu setzen. „Deuil pour deuil“ etwa („Trauer für Trauer“), eine lebensgroße liegende „Grabfigur“, zeigt Calle inmitten eines Areopags ausgestopfter Tiere, die verstorbene Vertraute verkörpern. Unter ihnen die Mutter, Monique: eine Giraffe. Der Vater, Bob: ein Tiger. Und der Kater Souris: ein Zebra.

Sophie Calle und Serena Carone. Beau doublé, Monsieur le marquis! Musée de la chasse et de la nature, Paris; bis 11. Februar. Das in der Ausstellung durch Sophie Calle vorgetragene Gedicht „Les Fanfares de circonstance“ ist in einem gleichnamigen Kunstbuch der Pariser Editions Xavier Barral publiziert, das 69 Euro kostet.

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