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Kulturpolitik nach Corona : Wie könnte ein New Deal für die Kunst aussehen?

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Hat die Kunst einen Platz im digitalen Kapitalismus? Werk des Berliner Künstlers Simon Denny, Professor an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg Bild: Simon Denny/Galerie Buchholz

Die Kunst steckte schon vor Corona in der Krise. Was der Staat jetzt tun kann, um ihr eine Zukunft zu sichern – und sich selbst auch.

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          Während Restaurants und Fußballclubs in dieser Woche von der Politik ein kleiner Zukunftsstreif am Horizont gesichert wurde, werden die Hilferufe aus der Kultur immer lauter. Am Donnerstag forderten die Kulturminister der Länder, zu deren Hoheit die Kultur eigentlich gehört, in einem offenen Brief an die Bundesregierung einen „gesamtstaatlichen Kraftakt“, um „eine drohende Verarmung der Kunst- und Kulturlandschaft nach der Corona-Krise zu verhindern“.

          Lesen Sie den Gastbeitrag des Kurators Hans Ulrich Obrist über die Kunstförderung des New Deal und deren Lehren für die Gegenwart

          Auch in der Kulturpolitik schlägt die Stunde des starken Staates. Zuletzt hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters beharrlich auf den Erfolg verwiesen, dass Kulturschaffende genauso von den Soforthilfen von Bund und Ländern profitierten wie andere Selbständige. Das sei eine nie dagewesene Solidaritätserklärung der Politik an die Künstler, sagte sie etwa dem Kunstmagazin „Frieze“ und stellte zugleich Strukturprogramme für die Kultur auf europäischer Ebene in Aussicht.

          Nanu. Muss die Kultur plötzlich nicht mehr erklären, dass sie kein Luxus ist, um den man sich erst kümmern muss, wenn das Überleben gesichert ist? Dass sie allen gesellschaftlichen Bereichen Reflexion, Empathie und einen Mindestanspruch an Umgangsformen schenkt? Dass die Kultiviertheit einer Gesellschaft auch Voraussetzung für ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Erfolge ist und dass gerade die Vielfalt von Deutschlands Kulturlandschaft international als Beispiel gilt? Dass die wirtschaftlichen Effekte der Kultur heute unübersehbar sind, vom Tourismus über Gastronomie und Immobilienwirtschaft bis zum produzierenden Gewerbe, das die Kostüme, Rahmen und oft auch die Kunstwerke selbst herstellt? Das wäre erfreulich und eine historische Leistung einer Regierung, die sich den „globalen Wettbewerb der Narrative“ als Herausforderung in den Koalitionsvertrag geschrieben hat.

          Kulturpolitik muss die Kunst fördern, nicht nur die Künstler

          Was aber kann diese Regierung für die Künste tun, wenn sie es ernst meint? Wie könnte staatliche Kunstförderung aussehen, wenn die Rezession zuschlägt, Privattheater schließen, Musiker und Schriftsteller ohne Einkommen bleiben, Unternehmern das nötige Trinkgeld für den Kunstkauf fehlt und Kunstvereine Mitglieder verlieren, Projekträume schließen und Sponsoren wegbrechen, wie es dem Deutschen Pavillon der Architekturbiennale schon geschehen ist? Was wäre aus der Kunstpolitik der Roosevelt-Regierung zu lernen?

          Sicher nicht die Einschwörung von Künstlern auf Idyllen nationaler Einheit oder gar die Suche nach einem nationalen Stil, die damals die Ablösung von der europäischen Moderne vorantrieb. Sicher auch nicht die blinde Produktion hunderttausender Kunstwerke, von denen viele nicht für aufbewahrungswürdig befunden wurden. Und bestimmt auch kein Gießkannenprinzip, wie es die deutschen Soforthilfen darstellen.

          Nominierten-Ausstellung des Berlin Art Prize, der von Künstlern organisiert und verliehen wird
          Nominierten-Ausstellung des Berlin Art Prize, der von Künstlern organisiert und verliehen wird : Bild: Florian Denzin

          Denn Kulturpolitik darf sich nicht daran messen lassen, wie vielen Künstlern sie das Überleben sichert. Sie muss sich daran messen lassen, wie viel herausragende Kunst entsteht – und ob diese ihr Publikum findet. Das hat schon zuletzt nicht gut geklappt. Eine umfassende Sinnkrise frisst an der Kunst, seit sie in Abhängigkeit von immer weniger immer vermögenderen Käufern geriet, gefolgt von einer Entfremdung der breiten Öffentlichkeit von der Kunst und einem weltweiten Galeriensterben. Bricht das Rückgrat des globalen Kunstmarkts, bedroht das auch den deutschen Standort. Ziehen die Superreichen Nord- und Südamerikas und Asiens ihr Geld zurück, spüren das auch die deutschen Galerien. Der französische Galerienverband rechnet mit dem Verlust eines Drittels seiner Mitglieder.

          Kunst nur für die Vermögendsten oder für alle?

          Eine Stichprobe der F.A.S. bei einem guten Dutzend deutscher Galerien ergab, dass in den zurückliegenden Wochen des Lockdowns noch Verkäufe stattfanden. Offenbar wollten treue Sammler zumindest einen Teil des Geldes ausgeben, das sie für die in dieser Woche ausgefallene Art Cologne und das in der kommenden Woche ausfallende Gallery Weekend beiseitegelegt hatten. Aber alle befürchten, dass auch die in den Herbst verschobenen Messen ausfallen, zumal Flugreisen auf absehbare Zeit nur für Privatjetnutzer interessant sind. Für die drei Messestandorte der Art Basel, die in den letzten fünfzehn Jahren synonym für den Kunstmarkt stand, könnte das das Aus bedeuten – zumal die Schweizer Messegesellschaft noch mehr als bisher taumelt, nachdem gerade Rolex und Patek Philippe ihrer Uhrenmesse Baselworld den Rücken gekehrt haben.

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