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Hopper-Ausstellung in Basel : Maler des amerikanischen Albtraums

Oder auch „Cape Cod Morning“ von 1950. Aus dem dreiseitigen Erker eines aseptisch weiß gestrichenen Hauses in einer Waldeinsamkeit blickt eine Frau in Rot auf die verdorrte Wiese vor ihr. Indem die Frau sich weit vorgebeugt mit beiden Armen auf ein Tischchen vor sich stützt, um mit ihrem Oberkörper so nah wie möglich an das vordere Fenster zu gelangen, kann der Betrachter gar nicht anders, als ihren Blick nach draußen als offensichtlich sehnsuchtsvoll zu empfinden. Zumal ansonsten nichts auf dem Bild passiert und die Frau im Erker auffällig vom Licht der Morgensonne wie von einem Filmspot beleuchtet wird. Wer oder was da allerdings auf das Haus zukommt, ist nicht zu sehen und wird vom Maler wiederum bewusst außerhalb des Bildes gelassen.

Perfide aber ist Hoppers Gestaltung des Erkers: Er läuft derart schmal zu, dass auf der Frontseite, aus der die einsame Frau nachgerade gierig die Landschaft mit ihren Blicken abgrast, nur noch ein schießschartenschmaler Sehschlitz übrig bleibt. Allein mit diesem optischen Kniff, der abermals eher unterbewusst wahrgenommen wird, macht Hopper Einsamkeit und Eingesperrtsein der Frau deutlich. Nicht im geräumigen Haus porträtiert er die Spähende, vielmehr in der klaustrophobischen Enge eines stark durchfensterten Erkers, wie ein Falter unter einem Glassturz. Hierin gleichen seine Bildgefängnisse denen Carl Spitzwegs: den isolierten Albraum-Bewohnern wie dem armen Poeten in seiner Dachkammer, den Kaktusliebhabern am Fenster oder den Eremiten in Waldhöhlen, die sich in den Vereinigten Staaten glänzend verkauften und die Hopper, zeitlebens sehr interessiert an deutscher Kultur, kannte.

Es ist zudem dasselbe bretterbeschlagene Haus, das Alfred Hitchcock 1960 für den Film „Psycho“ von seinem Bühnenbildner nach dem Vorbild „House by the Railroad“ von 1925 bis ins kleinste Detail der sogenannten stehenden Volutenkonsolen unterm Dachgesims nachbauen ließ. Einsam auf einer Anhöhe stehend und mit seinen dunklen Fensteraugen den unglücklichen Zufallsbesuchern entgegenglotzend, möchte man in diesen Hopper-Häusern weder hinter den Duschvorhang noch auch nur vorübergehend unterschlüpfen.

Was man über Edward Hopper weiß

Hopper ist der Maler des amerikanischen Albtraums. Einige seiner Bilder waren vergangenes Jahr in der Kölner Schau „Es war einmal in Amerika – 300 Jahre US-amerikanische Kunst“ als Ikonen dieses zwiespältigen Landes ausgestellt. Und so nimmt es auch nicht wunder, dass sich Barack Obama die abschüssige, rotgestrichene Farmscheune „Cobb’s Barns, South Truro“ von 1930, vielleicht sogar im Hinblick auf Wähler im ökonomisch abschüssigen Mittleren Westen, ins Oval Office hing. Ein Meisterwurf Hoppers, wie der Blickwanderer vom Hang oberhalb der roh gezimmerten Farm auf diese stürzt, was sich in Basel im Saal mit dem Bild gleich mehrfach durch Wiederholung derselben Idee des Ins-Bild-Stürzens auf weiteren Gemälden am eigenen Leib erfahren lässt. Eine Überraschung ist zudem der Raum mit Zeichnungen und Aquarellen, etwa „Road and Rocks“ von 1927, mit raschen Kohlestrichen. Hier ist Hopper dem Film der Roaring Twenties am nächsten.

Der im letzten Saal gezeigte, eigens zur Schau gedrehte Film von Wim Wenders rundet sie ab: In einem Henne-oder-Ei-Loop namens „Two or three things I know about Edward Hopper“ zitiert ihn der Regisseur von „Paris, Texas“ und „Don’t Come Knocking“ (aus dem die Hopper-Häuser des Baseler road movie stammen) und fragt, wie sehr Hopper vom Film seiner Zeit geprägt ist und wie stark er wiederum Filme von Hitchcock, natürlich von Wenders selbst, aber auch von David Lynch und vielen anderen Spezialisten des Psycho-Suspense beeinflusste. Könnte es sein, dass uns die Bilder Hoppers als nächtliche Traumbilder immer schon begleitet haben?

Edward Hopper – Ein neuer Blick auf Landschaft. In der Fondation Beyeler, Basel; bis zum 17. Mai. Der Katalog kostet 58 Euro.

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