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Siah Armajani in New York : Ist öffentliche Kunst zum Scheitern verurteilt?

  • -Aktualisiert am

Bei Siah Armajani ist Architektur kein Versprechen einer sozial gerechteren Welt: Das Met Breuer in New York zeigt die erste Retrospektive des iranisch-amerikanischen Künstlers in den Vereinigten Staaten. Und offenbart Düsteres.

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          Zerbrechlich wirken sie, fast instabil, die Architekturmodelle, die aus Holz und Karton gefertigt sind – umgeben von Zeichnungen, Installationen, Computerarbeiten. 1939 wurde Siah Armajani in Teheran geboren, 1960 kam er als Emigrant in die Vereinigten Staaten. Nun widmet ihm das Metropolitan Museum, New York, in Kooperation mit dem Walker Art Center, Minneapolis, die erste amerikanische Retrospektive. „Follow This Line“ – mit diesem Titel spielt die Schau auf Kindheitserinnerungen in Iran an, auf das Ritzen von Linien in die Architektur am Straßenrand, aber auch auf politische Anpassung.

          Schwarz, immer wieder Schwarz, und dazwischen leuchtende Farbklänge. Zu entdecken ist in insgesamt sieben Ausstellungsräumen eine Kunst, die Gattungsgrenzen überwindet und grundsätzlich konzeptionell ist. Eine Kunst, die auf politisches Bewusstsein im Alltäglichen setzt, dafür aber keine laute Stimme braucht. Die Schriftsteller, Philosophen, Anarchisten zitiert, unerwartete Wendungen nimmt, sich jeder Eindeutigkeit entzieht – und nachdenklich stimmt.

          Gewebe aus Perspektiven und Prosatexten

          Schon am Beginn der Ausstellung öffnet sich der Blick auf das breite Spektrum der Arbeiten: An der Wand Briefe in persischer Sprache an die Familie („Letters Home“ 1960), die auf Kleidungsstoffe geschrieben und erst später zu einem Wandbild zusammengenäht wurden. Ein tragbarer Fernseher, in dem Armajani die Mondlandung 1969 bis zur Rückkehr der Astronauten verfolgte und dann ausstellte, um den historischen Zeitpunkt zu konservieren. Am Computer generierte Arbeiten aus den siebziger Jahren, die an den Schnittstellen von Kunst und Naturwissenschaft angesiedelt sind. Im nächsten Raum: Atemberaubende Zeichnungen im wandfüllenden Querformat: „Written Minneapolis. The Last Tomb“ von 2014 und „Written Iran“ von 2015–2016 machen die mühevolle Arbeit der dicht gesetzten Filzstiftlinien nahezu vergessen. Mit größter Eleganz ist ein neuartiges Gewebe aus architektonischen Perspektiven und Prosatexten in persischer Schrift entstanden.

          Dazwischen: Architekturmodelle, so weit das Auge reicht. Sie sind Schlüsselwerke der Ausstellung. Werkstattarbeiten, die eine Scharnierfunktion im Werk des Künstlers einnehmen: Scheunen, Häuser, Türme, Treppen und wieder Treppen. Immer neue Konstellationen. Knapp hundertfünfzig an der Zahl aus dem ursprünglich sehr viel größeren Bestand. Auf Tischen ausgebreitet, in Vitrinen vereint, fordern sie zum vergleichenden Sehen auf. Jedes Modell zeigt scheinbar Alltägliches, kippt jedoch immer wieder in das Absurde, Abstrakte, Metaphorische, Unauflösliche. Es geht um Grenzen und Schwellen, um Außen und Innen, und meist um ein Dazwischensein: Ein Stuhl steht allein auf einem Bodenpaviment. Drei Hütten sind wie Container aufeinandergestapelt. Eine Treppe wird in einer architektonischen Gliederkonstruktion zur endlosen Bewegungsschleife.

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