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Seefahrer James Cook : Verschwindet von hier!

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Zum ersten Mal ist die in alle Welt verstreute Sammlung von James Cook wieder an einem Ort zusammengeführt: Eine spektakuläre Ausstellung in Bonn beleuchtet das Erbe des legendären Seefahrers.

          Im Jahr 2009 eine Ausstellung über den Seefahrer James Cook zu machen, könnte auch die böse Idee eines Märchenkönigs sein, der sich eine ganz besonders unlösbare Aufgabe ausgedacht hat. Denn eigentlich kann man mit einer Cook-Ausstellung nur alle verärgern. Welches Bild man sich nämlich von ihm macht, dem vom Kohlefrachtermatrosen zum Seeoffizier der britischen Marine aufgestiegenen Entdecker, hängt ganz davon ab, auf welcher Seite der Erdkugel man geboren wurde. Diejenigen, die die Welt vom Westen aus betrachten, haben Cook als großen Entdecker und Abenteurer gefeiert. Diejenigen dagegen, deren Familie aus dem pazifischen Raum stammt, sehen in Cook den Mann, der die Katastrophe einläutete. Zwei Gedenkkulturen kollidieren, die einen verehren Cook, die anderen haben guten Grund, ihn zu hassen. Was also tun?

          Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn hat nun weltweit vierzig Leihgeber gewonnen, die sechshundert Exponate zur Verfügung gestellt haben, um die Stücke, die James Cook auf seinen Reisen sammelte, zum ersten Mal wieder zusammenzuführen: Pflanzen, Tiere, Zeichnungen, Bordtagebücher, Messinstrumente und vor allem die Kulturgüter der besuchten Inseln. Die größten Bestände sind heute im Besitz der Universität Göttingen, der Rest ist über Europa und die Vereinigten Staaten verstreut, nur ein kleiner Teil befindet sich in Australien.

          Zu verdanken ist die Zusammenführung der Energie einer einzelnen Wissenschaftlerin, der Kuratorin Adrienne L. Kaeppler von der Smithsonian Institution in Washington. Bereits 1978 stellte sie in Sydney Stücke von Cooks Reisen aus. Ihr Anliegen war es dabei nie, die Legende vom großen Weltreisenden wiederzubeleben. Ihr Wunsch war es, die einzige Möglichkeit zu ergreifen, um die verschwundenen Kulturen des Pazifiks zu rekonstruieren: im Zusammentragen von Cooks in alle Winde zerstreuter Sammlung.

          Erschlagen und zerstückelt

          Und damit hat sich das Blatt gewendet. Die Ausstellung empfängt zwar den Besucher mit dem berühmten Porträt von Cook, das der Maler Nathaniel Dance 1775/6 erstellte. Doch inwieweit man sich auf Cooks Spuren begeben will, bleibt dem Betrachter überlassen. Die Halle wurde zum Pazifik erklärt, in der man von Insel zu Insel gehen kann. Drei Mal fuhr Cook zwischen 1768 und 1779 aus, um die Südhalbkugel auszukundschaften; Linien auf dem Boden zeichnen die Stationen nach. Die ersten beiden Reisen waren ein herausragender Erfolg: Cook betrat als erster Europäer die Ostküste Australiens, entdeckte mehrere Inseln und kartographierte mit seiner Mannschaft bisher unerschlossenes Gebiet. Als er 1776 zum dritten Mal aufbrach und drei Jahre später die Insel Hawaii erreichte, fand er den Tod: Am 14. Februar wurde er bei Auseinandersetzungen mit den Einwohnern an der Küste erschlagen und zerstückelt. Sein Schiff wurde von dem Amerikaner John Gore, einem Vorfahren Al Gores, nach England zurückgebracht.

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