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Kulturgutschutzgesetz : Wem wird denn Schaden zugefügt?

  • -Aktualisiert am

Die Museumbestände wuchern

Mit Maßnahmen der DDR wurde das geplante Gesetz verglichen, mit der Praxis eines Staats also, der die Eigentumsrechte missachtet hat. Wer nun allerdings in die Zimmer und Räume blickt, die sich auftun, nachdem der Empörungssturm kurz das Dach des Kunstbetriebs angehoben hat, könnte auch den Vergleich zu einer Bananenrepublik ziehen - einem System nämlich, in dem manche Gruppen fragwürdige Privilegien für sich in Anspruch nehmen. Dafür kann die Dauerleihgabe ein schlagendes Beispiel sein: Denn eine Besonderheit des deutschen Erbschaftsteuerrechts besteht darin, dass bis zu sechzig Prozent des Werts eines Werks steuerfrei bleiben, wenn es ein Museum längerfristig als Leihgabe erhält und es für einen Zeitraum von zehn Jahren nicht veräußert wird. Vollständige Steuerbefreiungen winken, wenn sich die geliehenen Objekte mindestens zwanzig Jahre im Familienbesitz befinden, wobei ebenfalls das zehnjährige Veräußerungsgebot gilt. Die Autoren des Buchs „After Collecting. Leitfaden für den Kunstnachlass“ nennen dies eine „legale Möglichkeit, große Vermögen völlig an der Erbschaftsteuer vorbeizuführen“. Es bleibe dabei den Erben überlassen, nach Ablauf der Bindefrist von zehn Jahren „das Kunstwerk wieder zu Geldvermögen zu machen“. Für Baselitz dürfte diese Vergünstigung im Mai dieses Jahres uninteressant geworden sein; er hat seitdem einen österreichischen Pass. Die Besonderheit dort: Es wird gar keine Erbschaftsteuer erhoben.

Und damit zur zweiten vernünftigen Aussage von Gerhard Richter: In einem Interview sagte er gestern, es gebe „ohnehin viel zu viel Kunst in den Museen. Überall entstehen neue Museumsanbauten, Räume, die gefüllt werden müssen. So viel Qualität kann es in der Kunst gar nicht geben.“ Die Überfülle in den deutschen Museen hängt mit dem Prinzip Dauerleihgabe zusammen. Im Jahr 2014 erhielt die Kunsthalle Mannheim 38 Arbeiten des Künstlers Anselm Kiefer - als Dauerleihgabe des Unternehmers Hans Grothe. Im selben Jahr gingen 29 Richter-Werke an das Neue Museum in Nürnberg - als Dauerleihgabe der Sammlung Böckmann. Die Bestände in einigen deutschen Museen wucherten in den vergangenen Jahren geradezu.

Sie können Superstars werden

Was sollte überhaupt als „national wertvolles Kulturgut“ geschützt werden? Die absolute Ausnahme. Richters Urteil über die Überfülle der deutschen Museen lässt sich auch ins Positive wenden. In ihrem Eigentum befindet sich bereits eine Großzahl bedeutender Werke, selbst von lebenden Künstlern. Beispiel Baselitz: Aus dessen Helden-Serie, die zu seinen wichtigen Arbeiten zählt und aus der er nun drei Bilder in München abziehen will, hängen mindestens vier Exemplare in staatlichen Museen, in Berlin, Bielefeld und Köln. Allein in München bleiben, nach dem Abzug, noch 32 Gemälde und Skulpturen.

Außerdem - deutsche Kunst muss reisen und auch wegziehen. Nur der Handel mit dem Ausland kann einem Werk internationale Bedeutung verleihen. Baselitz’ „Helden“ bleiben wackere Lokalpatrioten, wenn sie alle hierbleiben. Sie können nur zu Superstars werden, wenn genügende von ihnen ins Ausland ziehen. Zum Teil ist das auch bereits geschehen: Die Tate Modern in London verfügt über einen, ebenso das Museum in San Francisco.

Von Caspar David Friedrich übrigens besitzt die Berliner Nationalgalerie den größten Bestand, fünfzehn Gemälde; vierzehn befinden sich in Dresden, dreizehn in Hamburg. Dem gegenüber stehen die surrenden Bilderfabriken der zeitgenössischen Kunst. Es wäre im Sinne des nationalen Kulturguts, der Kunstliebhaber und Steuerzahler, wenn nur das Allerbeste davon in Museumsbesitz käme.

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