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Schloss Salem : Frieden zu einem hohen Preis

Der Adel kam gut weg: Das Land Baden-Württemberg kauft dem klammen Haus Baden die Schlossanlage Salem und Kunstgegenstände für großzügige 60 Millionen Euro ab. Die markgräfliche Familie darf im Schloss wohnen bleiben, der Rechtsstreit ist beigelegt.

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          Mit einer ironischen Anmerkung gab der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger dann doch zu, dass der Adel beim Kauf des ehemaligen Zisterzienserklosters Salem ziemlich gut weg kommt: 3500 Quadratmeter Wohnfläche in der Prälatur blieben Eigentum der markgräflichen Familie, das sei nach „bürgerlichen Maßstäben“ ungewöhnlich. Das ist es in der Tat. Und man fragt sich, was es rechtfertigt, dem klammen Haus Baden für 60 Millionen Euro fast die gesamte Schlossanlage und Kunstgegenstände abzukaufen.

          Auch wenn Baden-Württemberg wie kaum ein anderes Land historisch bis heute von einem buntscheckigen Flickenteppich ehemaliger adeliger Herrschaften geprägt und mit unzähligen Schlössern gesegnet ist, besitzt der Adel seit fast hundert Jahren keine Sonderrechte mehr. Ursprünglich wollte Oettinger dem Haus Baden in diesem Umfang wohl auch nicht entgegen kommen: Das Schloss sollte aus Gründen der Etatdisziplin keinesfalls als Nummer 53 in die staatliche Schlösserverwaltung aufgenommen, der Streit über die Eigentumsrechte an den Kunstgegenständen mit einem außergerichtlichen Vergleich geregelt und Salem eine Stiftung werden.

          Gesichertes Kulturerbe

          Für den Verbleib der markgräflichen Familie in der Prälatur hätte sich vor zwei Jahren ebenfalls kein Landespolitiker verkämpft. Nun wird das Schloss Staatseigentum, und die Familie bleibt in Salem wohnen. Man bezahlt dem Prinzen seinen Klageverzicht mit einem weiteren Millionenbetrag und verspricht sogar, Kunstgegenstände zu kaufen, die noch nicht abschließend geschätzt sind. Das ist ein hoher Preis, für den das Land allerdings auch einiges erhält: Der zweihundert Jahre schwelende Rechtsstreit kann zu den Akten gelegt werden. Der Erhalt des Kulturerbes ist gesichert. Endlich ist der Rechtsfrieden erreicht, den es mit dem ordentlicher wirtschaftenden Haus Württemberg schon seit Jahrzehnten gibt. „Salem heißt Frieden, darum bitten wir“, sagte Oettinger.

          Mit dem Haus Baden hat das Land nun Frieden geschlossen. Wie viel den Bürgern, ja den Bürgerlichen, angesichts von Finanzmarktkrise und Wirtschaftsabschwung dieser Frieden wert ist, dürfte sich bis zur nächsten Wahl zeigen. Es bleibt die – zugegeben eher theoretische – Frage, wie Günther Oettinger regieren würde, wenn er so arm wäre wie seine Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Man kann nur hoffen, dass andere Adelshäuser ihre Begehrlichkeiten trotz dieser Großzügigkeit einigermaßen zügeln werden.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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