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Schlesisches Museum Görlitz : Wer einmal aus dem Blechnapf fraß

  • -Aktualisiert am

Flaschenpost an die Zukunft: Die Grenzstadt Görlitz, einst Durchgangsstation der Vertriebenen, ist nun Sitz des zentralen Schlesischen Museums in Deutschland. Polen reagiert mit großem Interesse auf die Neugründung.

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          Görlitz, einst am mittelalterlichen Handelsweg von Leipzig nach Breslau, seit seiner Zugehörigkeit zur preußischen Provinz Schlesien an der neuen Bahnlinie Berlin-Breslau gelegen, später Durchgangsstation der Vertriebenen und heute Tor für Schlesienreisende - Görlitz ist nun auch Sitz des zentralen Schlesischen Museums in Deutschland und somit wieder Brücke in die östliche Nachbarregion.

          Nach langer Aufbauzeit gesellt das Museum sich nun zu den schon früher mit Bundes- und Länderhilfe geschaffenen Museen für West- und Ostpreußen, Pommern und die ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete in Südosteuropa, und es ergänzt Partnerinstitutionen zu Schlesien, wie es sie bereits in Königswinter und Ratingen gibt. Geleitet wird das Görlitzer Haus von dem Historiker Markus Bauer.

          Großes Interesse aus Polen

          In vielen, auch von polnischen Museen beschickten Ausstellungen testete man in den vergangenen Jahren das Terrain. Getragen von einer Stiftung mit der Bundesrepublik, Sachsen, Görlitz und der Landsmannschaft Schlesien als Partnern, öffnet an diesem Samstag dieses „Museum für eine europäische Kulturregion“ seine Tore. In Schlesiens Kultur und Geschichte will es „einen ersten Einstieg“ bieten, um sie, so Hans-Wilhelm Hünefeld, Ministerialdirigent beim Kulturstaatsminister und Vorsitzender des Stiftungsrates, „in gutnachbarlicher Kooperation als gemeinsames Kulturerbe der einst dort Beheimateten wie der heute dort Lebenden zu erkennen, aufzuarbeiten und zu pflegen“. Polen reagiert mit großem Interesse auf die Neugründung. Der zur Eröffnung geladene frühere polnische Generalkonservator Andrzej Tomaszewski beglückwünscht Görlitz als „mutigen Wegbereiter“.

          Vorläufermuseen gab es in Teschen und Troppau - beide bestehen fort, letzteres im heutigen Tschechien. Breslau verfügte sogar über zwei Schlesische Museen. Beide aber sind im Krieg zerstört worden, von den Beständen gelangte vieles ins Muzeum Narodowe, das Breslauer Nationalmuseum. Ganze Waggonladungen gingen aber 1946 auch nach Warschau und blieben im wesentlichen bis heute dort, was den inzwischen erstarkten Regionalstolz der polnischen Schlesier nachhaltig kränkt. Das Muzeum Slaskie, das Schlesische Museum zu Kattowitz, war im Krieg von den Deutschen gezielt zerstört worden, seine Sammlungen schluckte das „Grenzlandmuseum“ in Beuthen. Ein Neubau ist aber derzeit in Kattowitz in Planung. Markus Bauer wünscht sich für die Zukunft ein Netzwerk aller Museen zu Schlesien. Vorerst präsentieren sich rund dreißig aus Polen, Tschechien und Deutschland zur Görlitzer Eröffnung mit je einem Ausstellungsstück.

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