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Kunst in Salzburg : Was ist da auf die Wiese gestürzt?

Paul Wallachs Kunstwerk aus der Luft Bild: Manfred Siebinger

Salzburg hat in diesem Sommer ein in jeder Hinsicht großes Werk zu bieten: Paul Wallachs Land-Art-Projekt „Down to the Ground“.

          2 Min.

          Fünf Sommer lang ist der Krauthügel in Salzburg jeweils Schauplatz einer Kunstinstallation gewesen, und die spektakulärste hat sich die Salzburg Foundation, die dieses Wechselspiel 2014 ins Leben gerufen hat, fürs Finale aufbewahrt: Bis Ende September noch ist eine strahlend weiße geometrische Form auf dem tiefgrünen Rasen des Hügels zu sehen. Zusammengesetzt ist sie aus jeweils vier Meter langen und vierzig Zentimeter tief im Erdreich versenkten schmalen Betonelementen. „Down to the Ground“ lautet der Titel des Ganzen, und Urheber des 1800 Quadratmeter umfassenden, zweihundert Tonnen schweren Werks ist der in Paris lebende amerikanische Künstler Paul Wallach.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Eine Arbeit von solchem Ausmaß hat der Achtundfünfzigjährige noch nie geschaffen; Wallach ist vielmehr berühmt geworden für meist kleine filigrane Holzgebilde, die er an Wänden oder im Raum wie scheinbar schwebend installiert und oft derart bemalt, dass intensiver Lichteinfall über Schatten und Reflexionen noch eine zusätzliche Farbkomponente mit ins optische Vexierspiel bringt. Nichts davon auf den ersten Blick in Salzburg: keine Farbe, schwerer Beton statt federleicht wirkenden Holzes, Riesen- statt Kleinformat.

          Doch alles hängt davon ab, von wo aus man den ersten Blick wirft. Steht man auf dem Krauthügel selbst, dann ist es ein gewaltiges, ja gewalttätiges Werk, das wie das übriggebliebene Fundament eines alten wehrhaften Gebäudes wirkt – ein Eindruck, der sich durch die dahinter steil aufragende Festung Hohensalzburg noch verstärkt. Die eigentliche Form kann man gar nicht erkennen, da die eigene Augenhöhe zu gering ist. Blickt man dagegen von der vielbesuchten Festung herab, wie es die meisten Salzburg-Reisenden in der Sommersaison tun werden, dann bekommt „Down to the Ground“ den Charakter einer zarten Kreideskizze und damit einmal mehr die faszinierende Leichtigkeit, die Paul Wallachs Kunst charakterisiert.

          Entstanden ist das Motiv auf Grundlage eines 2004 entstandenen Entwurfs, „Here and There“, der aus einem Gipsstern besteht, der in ein Eisenplattenquadrat eingepasst ist. Als die Salzburg Foundation ihm vorschlug, den Krauthügel zu bespielen, wusste Wallach, dass er dazu die passende Idee parat hatte – die Analogie zwischen Festung und Form seines Werks ist evident. Darüber hinaus nimmt es den Grundriss eines kleinen Hauses am Rand des Krauthügels auf, das von einem Kranz aus Bäumen umrahmt wird. Hier hatte früher der Henker der Stadt sein Domizil. Auch das spielt in die Wirkung des Werks mit hinein – nicht sicht-, aber spürbar. Und hörbar, denn „Down to the Ground“ bezeichnet auch den gestürzten Körper. In Salzburg hat man sich allerdings entschlossen, die Wallachsche Form etwas gefällig als Stern zu deuten, der auf der Erde gelandet ist. Der Künstler selbst enthält sich eines Kommentars dazu.

          Ihm war das zusätzliche Glück beschieden, die Kollegienkirche im Stadtzentrum, einen barocken Traum in Weiß, im Rahmen des ebenfalls schon länger laufenden Programms „Kunst und Kirche“ als Ausstellungsort nutzen zu können. Wallach schuf dafür seine erste graphische Arbeit überhaupt: einen Holzschnitt mit den weißen Linien von „Down to the Ground“ auf grünem Fond. Von diesem Blatt ließ er fotografische Detailvergrößerungen anfertigen, die dann auf sechs anderthalb Meter messende Papierbögen gedruckt und hoch an den Säulen des Kirchenraums aufgehängt wurden, die unter dem Kuppelgewölbe wie winzige grüne Einsprengsel im weißen Lichtraum wirken. „Suspension“ (Aufhebung) hat Wallach diese nur noch bis zum 1. Juli zu sehende Installation genannt, die sein Land-Art-Projekt auf dem Krauthügel kongenial um Innenraum und Innenstadt ergänzt.

          Man kann sich kaum vorstellen, dass „Down to the Ground“ jemals wieder verschwinden soll. Zumal es das letzte Kunstprojekt auf dem Krauthügel ist. Die Salzburg Foundation hat neue, größere Pläne: 2020 soll eine Salzburg-Biennale starten. Kunstbiennalen haben viele Städte. Ein Kunstwerk aber, das so geschickt mit seinem Standort interagiert – wer hat das schon?

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