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Schwierige Entscheidung für das Deutsche Historische Museum: Wird eines seiner Exponate zurück nach Afrika gebracht? Bild: DHM, William Blakemore Lyon

Säule von Cape Cross : Steinsäule des Anstoßes

  • -Aktualisiert am

Abschied von einem wichtigen Exponat: Namibias Regierung ersucht um die die Rückgabe der Säule von Cape Cross. Diese Reklamation wäre für beide Seiten eine äußerst wichtige Geste.

          Die Debatte um die Restitution kolonialer Objekte aus Afrika wird oftmals sehr abstrakt geführt. Das Deutsche Historische Museum (DHM) steht dagegen vor einer sehr konkreten Entscheidung. Soll eines seiner wichtigen Exponate zurück nach Afrika?

          Die Regierung von Namibia ersucht um die Rückgabe der Säule von Cape Cross, eines Objektes, das heute in unserer Dauerausstellung präsentiert wird. Es handelt sich um eine 3,50 Meter hohe und 1,1 Tonnen schwere Säule aus Kalkstein, die oben mit einem Kreuz abschließt. 1486 wurde sie von portugiesischen Seefahrern an der Südwestküste Afrikas, auf dem Gebiet des heutigen Namibias, errichtet. Weithin sichtbar, diente sie damals als ein Zeichen zur Orientierung für nachfolgende Seefahrer, die die Küste Afrikas umrundeten. Sie manifestierte den Herrschaftsanspruch und Missionsgedanken Portugals. Aus Form und Inhalt der Erklärung, die auf der Säule in lateinischer und portugiesischer Sprache zu lesen ist, wird deutlich, dass die im Land lebenden Einwohner zu der Frage, wer das Land zu beanspruchen hatte, gar nicht erst gefragt werden mussten – gehörten sie doch nicht zur Christenheit.

          Der Kaiser ließ eine Replik aufstellen

          1894, als das Land, in dem die Portugiesen die Säule errichtet hatten, zum deutschen „Schutzgebiet“ – der Kolonie Deutsch-Südwestafrika – erklärt worden war, brachte die Kaiserliche Marine sie nach Berlin. An der Stelle, an der sie sich befunden hatte – ihretwegen mittlerweile im kolonialen Sprachgebrauch „Cape Cross“ genannt –, ließ Kaiser Wilhelm II. eine Granitreplik aufstellen. Die Originalsäule blieb von nun an in Deutschland: vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR bis zum vereinigten Deutschland. Vom Kriegsmarinemuseum gelangte sie über einige Umwege erst in den Bestand des Museums für Deutsche Geschichte, einer Einrichtung der DDR. Von dort aus ging sie dann 1990 in das Eigentum des DHM über, wo man sie seit 2006 in der Dauerausstellung sehen kann, allerdings nicht im Bereich „Kolonialismus“, sondern im Bereich der „Entdeckungen“.

          Raphael Gross ist Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum.

          Die aus wilhelminischer Zeit stammende Granitsäule im namibischen Ort Cape Cross ist bereits seit dem Jahr 1968 zum Gedenkort an die Opfer und Verbrechen der Kolonialherrschaft ausgestaltet worden*. Restitutionsansprüche in Bezug auf die Säule waren jedoch schon weitaus früher geäußert worden, so bereits in den Jahren 1925 und 1960 und dann wiederholt seit der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990. Alle blieben sie ohne Erfolg.

          Historisch und kulturell von Bedeutung

          Das DHM aber wollte auf die neuerliche Forderung aus dem Jahre 2017 überlegt reagieren. Es wurde beschlossen, zur Vorbereitung einer Entscheidung über dieses Ersuchen ein internationales, interdisziplinäres und vor allem öffentliches Symposion durchzuführen: Mehr als 350 Gäste nahmen am 7. Juni 2018 im Zeughaushof des Museums daran teil und diskutierten intensiv mit Politikerinnen und Historikern, Botschaftern und Juristinnen, Kuratorinnen und Philosophen aus Deutschland, Österreich, Portugal, Botswana und Namibia über rechtliche, moralische, historische und museologische Fragen rund um die Säule. Schnell wurde deutlich, dass Namibia keinen Repatriierungsanspruch nach deutschem und internationalem Recht besitzt. Für eine Rückgabe sprechen aber ethische und politische Überlegungen. Der wichtigste Gesichtspunkt für die Frage nach der Rückgabe ist für das DHM seine Haltung zur historischen Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte in Namibia. Insbesondere geht es in diesem Fall um die Auseinandersetzung mit den an verschiedenen Bevölkerungsgruppen Namibias verübten Verbrechen gegen die Menschheit („crimes against humanity“).

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