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Säule von Cape Cross : Steinsäule des Anstoßes

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Die Entscheidung über die Säule kann nicht von diesem Kontext gelöst werden. Sie stellt zwar kein koloniales Raubgut im eigentlichen Sinne dar, wie etwa die gerade zurückgegebene Witbooi-Bibel. Dennoch gibt es gute Gründe für eine Rückgabe, allerdings weniger im Sinne einer historischen „Wiedergutmachung“, respektive Kompensation, als vor dem Hintergrund einer zukunftsorientierten Betrachtung.

Ein Stein des Anstoßes: Die Säule von Cape Cross

Bei der Säule handelt es sich um ein Objekt, das gerade heute für Namibia von außerordentlich großer historischer und kultureller Bedeutung ist. Sie ist eines der ganz wenigen Objekte, das die Inbesitznahme des Landes durch die Portugiesen und damit den langsamen Beginn kolonialer Herrschaft im heutigen Namibia dokumentiert. Sie wurde aus dem Land entfernt, als die Namibier selbst keine Kontrolle über das Territorium besaßen. Die Deutschen machten damals nicht einmal den Versuch, zu erkunden, was die einheimische Bevölkerung über die Mitnahme der Säule dachte. Für die Menschen in Namibia und ihr kulturelles und politisches Selbstverständnis ist sie deshalb heute von so großer Bedeutung, weil sie für die Erfahrung kolonialer Herrschaft aus der Perspektive derjenigen steht, die dieser Herrschaft unterworfen waren. Daraus lässt sich ein starkes Interesse auf Seiten Namibias ableiten, die Säule zurückzuerhalten.

Der Anfang einer neuen Zusammenarbeit

Die Geschichte des deutschen Kolonialismus ist eine Geschichte, die Deutschland mit Namibia verbindet. Das DHM sieht es als seine Aufgabe an, diesen Teil der Geschichte in seiner Dauerausstellung zu präsentieren. Die Rückgabe der Säule sollte dementsprechend nicht den Abschluss dieser Aufgabe dokumentieren. Sie ist eher ein Ausdruck für ein seit geraumer Zeit zunehmendes Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kolonialpolitik und ihren Folgen auch in Deutschland. Erst diese Auseinandersetzung hat es ermöglicht, die Gründe für das Interesse Namibias an der Säule angemessen zu würdigen.

Die Rückgabe sollte den Anfang einer neuen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen deutschen und namibischen Museen eröffnen. Mit dem Botschafter Namibias und dem National Museum of Namibia haben wir in diesem Sinn schon Gespräche über ein weiteres Symposion geführt, das diesmal in Namibia stattfinden soll. Darum hoffe ich, dass auch das entscheidende Kuratorium des DHM der vom Museum empfohlenen Rückgabe, die auch von Staatsministerin Monika Grütters befürwortet wird, zustimmen wird.

Die Rückgabe wäre sowohl für Namibia als auch für das DHM eine wichtige Geste. Sie würde die historische Verpflichtung dokumentieren, auch jenseits der rechtlichen Notwendigkeiten, sich differenziert mit der Kolonialgeschichte zu beschäftigen und dabei historisches Unrecht anzuerkennen. Die Geste dokumentiert eine Anerkennung historischen Unrechts – jenseits rechtlicher Normen. Insofern kann sie als eine Intervention wirken, die sowohl in Deutschland als auch in Namibia ein neues Kapitel der Betrachtung der gemeinsamen Geschichte beider Länder ermöglicht.

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