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Ausstellung von Björk im MoMA : Hängen Popsongs an den Wänden?

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Das Museum of Modern Art zeigt das Werk der isländischen Sängerin Björk. Was ist das aber: das Werk eines Popstars? Und was tut man damit im Museum? Wir haben Björk mal angerufen.

          Die Retrospektive einer Popmusikerin ist normalerweise aus Plastik, hat einen Durchmesser von zwölf Zentimetern und dauert 74 Minuten: man nennt sie „Best of“- Album. Die Retrospektive der isländischen Sängerin Björk Guðmundsdóttir, 49, wird bald in einer eigens gebauten Architektur im wichtigsten Kunstmuseum der Welt zu sehen sein und dauert drei Monate.

          Die Ankündigung hatte etwas Sensationelles: Das New Yorker Museum of Modern Art, die Zentrale der modernen Kunst, zeigt vom 8. März an das Werk von Björk. Aber Moment mal, welches Werk? Sie hat doch nicht etwa angefangen zu malen oder Skulpturen aus Lavastein zu meißeln? Nein, hat sie nicht. Björk ist und bleibt Popmusikerin, und sie ist stolz darauf. Eine Popmusikerin, die um die zwanzig Millionen Platten verkauft hat, als noch Millionen Platten kauften.

          Musik ist heute keine Scheibe mehr. Haydn, Elvis und Beyoncé wohnen zusammen in der Spotify-WG - dank der Digitalisierung ist Musik überall verfügbar in der zivilisierten Welt, wie W-Lan und fließend Wasser. Sie löst sich von den Objekten, die sie beherbergt haben, den Plattenschränken und CD-Türmen und iPods (deren Produktion mittlerweile eingestellt wurde). Im MoMA wird man mit einer interaktiven App und Kopfhörern durch Björks Alben wandern, entwickelt wurde die Software vom MoMA-Sponsor Volkswagen - für Autos. Auch Björks Musikvideos sowie wunderliche, eigens angefertigte Instrumente ihres letzten Albums werden ausgestellt. Ein neues Musikvideo hat sie in Island drehen lassen. Es ist natürlich nicht einfach nur ein Musikvideo, sondern ein „immersiver Film“ in 3 D.

          Mandelaugen samt Vulkanausbruch

          Nicht jeder mag Björk gern singen hören, so ist das mit dem Pop, aber es ist schon faszinierend, wie die Musik im Moment ihres physischen Verschwindens in den letzten Raum drängt, der als Raum überhaupt noch wichtig genommen wird: ins Museum. Es gab in den letzten Jahren große Ausstellungen zu David Bowie, Kraftwerk und Sonic Youth, die ganz unterschiedlich waren - bei Kraftwerk waren es Konzerte unter Museumsbedingungen, bei David Bowie ein aufwendig animiertes Requisitenkabinett, bei Sonic Youth ein fransiger Teppich aus Kollaborationen mit der Kunst.

          Jetzt also Björk. Es ist auch eine irre Geschichte: das Mädchen mit den Mandelaugen, das während eines Vulkanausbruchs auf Island geboren wurde, der Elfeninsel ohne Bäume, wo ihr Großvater noch in einer Lehmhütte gelebt hatte. Eine Welt voller Naturwunder, die erst spät in die Moderne katapultiert wurde und dabei die Industrialisierung übersprungen hat. Aufgewachsen in einer Künstlerkommune, macht Björk von Kindheit an Musik. Mit der Band Sugarcubes wird sie bekannt, zieht dann zur genau richtigen Zeit nach London und veröffentlicht „Debut“, das erste einer Reihe von einflussreichen Popalben, die die Vorstellung von Pop als solchem erweitern. Björk verschmilzt Elemente so ziemlich jeder der Menschheit bekannten Musikrichtung, arbeitet nach und nach mit praktisch allen relevanten Produzenten, Regisseuren, Modeschöpfern und Fotografen ihrer Zeit zusammen. Sie verwandelt sich dabei gern in nichtmenschliche, wohl aber denkende und fühlende Wesen - auch die verliebten Roboter aus Chris Cunninghams „All Is Full of Love“ werden im MoMA zu sehen sein. Björk ist so gesehen immer auch eine visuelle Künstlerin gewesen, eine, die ihre Bilderproduktion auslagert, ohne die Kontrolle darüber abzugeben.

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