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Größtes Leinwandbild der Welt : Ist das gut oder nur gut gemeint?

High-Society-Maler und Spendensammler: In beiden Disziplinen ist Sacha Jafri extrem erfolgreich. Hier posiert er auf seinem Riesengemälde „The Journey of Humanity“. Bild: AFP

Der britische Maler Sacha Jafri hat in Dubai ein monumentales Werk geschaffen. Versteigert soll es viele Millionen Dollar für karitative Zwecke einbringen. Das ist nobel. Aber ist es auch große Kunst?

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          Wenn einer das Diktum „size matters“ verinnerlicht hat, dann wohl er: Mit dem größten Leinwandbild aller Zeiten will der britische Künstler Sacha Jafri nicht nur ins Guinnessbuch der Rekorde kommen, sondern auch der von ihm ausgerufenen Mission einer „Renaissance der Malerei“ monumentale Ausmaße verleihen – und das alles für einen guten Zweck, der sogar artistisch fast jedes Mittel heiligt. In Dubai, wo großes Geld auf große Ambitionen trifft, man gerne groß denkt und das höchste Gebäude des Planeten gebaut hat, ist Sacha Jafri am richtigen Ort mit seinem gigantomanischen Werk, das die ganze Menschheitsgeschichte in den Blick nehmen will und deshalb „The Journey of Humanity“ heißt. Es bedeckte den gesamten Boden des Ballsaals im Hotel Atlantis The Palm.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dort war Jafri zu Beginn der Corona-Pandemie „gestrandet“ und malte ein halbes Jahr lang ohne Unterlass. Je größer die Geste, desto stärker der Effekt: Offensichtlich inspiriert von Jackson Pollock bedeckte der Künstler, der sich selbst in literarischen Analogien einen „magischen Realisten“ nennt, der im „Bewusstseinsstrom“ arbeite, mit gestischem All-over die vielen aneinandergesetzten Leinwände, wofür er 6300 Liter Farbe und mehr als tausend Pinsel verbrauchte.

          Ganz schön groß: 1800 Quadratmeter misst das Werk, das den Boden des Ballsaals im The Atlantis Hotel in Dubai bedeckt.
          Ganz schön groß: 1800 Quadratmeter misst das Werk, das den Boden des Ballsaals im The Atlantis Hotel in Dubai bedeckt. : Bild: Reuters

          In kreisförmigen Segmenten brachte er Zeichnungen von Kindern aus aller Welt unter, die er um Einsendungen zum Thema Isolation und Verbundenheit gebeten hatte. Denn Kindern soll das Kunstwerk zugutekommen. Das inzwischen in siebzig – immer noch riesige – Stücke zerteilte Gemälde des Vierundvierzigjährigen wird von nun an in auf zwei Jahre verteilten Auktionen zugunsten wohltätiger Projekte versteigert, die sich für Bildung, Gesundheit und Internetzugang für die Jüngsten einsetzen. Etwa 25 Millionen Dollar hofft Jafri so zu erzielen; unterstützt wird er von Hilfswerken der Vereinten Nationen und des Emirats Dubai.

          Verkaufsbereit: Aufgeteilt in siebzig Teile wird „The Journey of Humanity“ in Dubai feilgeboten.
          Verkaufsbereit: Aufgeteilt in siebzig Teile wird „The Journey of Humanity“ in Dubai feilgeboten. : Bild: AFP

          Damit setzt er fort, was er in etwas kleinerem Maßstab etwa in Monaco auf Einladung von Fürst Albert für Charity-Projekte getan hat. Sacha Jafri, der als Eton-Schüler mit Prinz William Bekanntschaft machte, später modelte und in Oxford studierte, ist ein High-Society-Maler par excellence. Ohne Agent vermarktet er sich selbst – mit größtem Erfolg. Stella McCartney, Kate Moss and Jeremy Irons zählen zu seinen Fans, Barack Obama, Bill Gates, George Clooney und Madonna zu seinen Sammlern. Die Welt der zeitgenössischen Kunst sei zu einer einzigen auf Hype getrimmten Gelddruckmaschine verkommen, moniert er – und setzt dieselbe für sich und andere ein. Künstlerisch wertvoll? Das ist in diesem Fall nicht entscheidend. Stattdessen gilt: Viel hilft viel.

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