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Rückgabe an die Türkei : Die Sphinx von Hattuscha kehrt zurück

Weder Deutschland noch die Türkei können den Eigentumsanspruch auf die Sphinx schriftlich belegen. Nach einer handfesten Erpressung gibt Deutschland jetzt die Statue zurück - als „freiwillige Geste“.

          Seit 1906 ergraben deutsche Archäologen in der Nähe des anatolischen Dorfs Bogazköy die Ruinen der alten Hethiterhauptstadt Bogazköy. Und schon ein Jahr nach dem Beginn der Ausgrabung entdeckten sie unter den Trümmern einer Toranlage im Süden des Stadthügels die Reste zweier Sphinx-Statuen aus Kalkstein, die seit dem vierzehnten Jahrhundert vor Christus den Eingang in die Metropole geschmückt hatten.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Jetzt wird die eine der beiden geflügelten Löwenfiguren, die 1915 zur Restaurierung nach Berlin geschickt worden waren, an die Türkei zurückerstattet - ihr besser erhaltenes Gegenstück war schon 1924 wieder nach Istanbul geschickt worden. Von einem „absoluten Sonderfall“, einem „nicht vergleichbaren Einzelfall“ sprechen die Verantwortlichen bei dieser Rückgabeaktion, die am 28. November, dem fünfundzwanzigsten Jahrestag der Aufnahme von Hattuscha in die Welterbeliste der Unesco, vollzogen werden soll.

          Den Museumsleuten soll der Vorgang eine Mahnung sein

          Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt die Verhandlungen mit der türkischen Regierung führte, nennt sie eine „freiwillige Geste der deutsch-türkischen Freundschaft“, um jede Ähnlichkeit des Vorgangs mit anderen Rückgabeforderungen - etwa den wiederholt geäußerten Ansprüchen Ägyptens auf die Büste der Nofretete - vorsorglich auszuschließen. Wahr ist, dass keine der beiden Seiten, weder die Türkei noch die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Kaiserreichs, ihren Eigentumsanspruch auf die Sphinx schriftlich belegen kann. Wahr ist aber auch, dass der türkische Kulturminister Ertugrul Günay seinen Restitutionswunsch im Februar mit der Drohung verbunden hat, dem Deutschen Archäologischen Institut die Grabungslizenz in Hattuscha zu entziehen (Nicht Nofretete).

          Erst diese handfeste Erpressung brachte die diplomatischen Bemühungen in Gang, die jetzt zu dem von Anfang an absehbaren Ergebnis geführt haben. Nicht dieses selbst, sondern die Dramaturgie der Ereignisse, die zu der Rückgabe geführt hat, sollte deutschen Kulturpolitikern und Museumsleuten eine Mahnung sein. Denn wer nicht beweisen kann, dass die Schätze, die er ausstellt und verwaltet, wirklich ihm gehören, wird wohl noch öfter ein böses Erwachen erleben.

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