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Rosenquist-Retrospektive : Der europäischste Pop-Maler Amerikas

  • -Aktualisiert am

Von der Kunst, mit Reklame Zeitgeschichte zu zitieren: Das Kölner Museum Ludwig zeigt eine Retrospektive des im Frühjahr verstorbenen amerikanischen Malers James Rosenquist.

          Die Retrospektive auf dieses Werk ist eine Dröhnung von Opulenz und Buntheit in monumentalen Formaten, und an ihrem Ende verdichtet sich der Eindruck: In allzu viele Bilder von James Rosenquist nacheinander einzutauchen tut diesem OEuvre nicht wirklich gut. Das Riesenbild und der malerische Weichspüler als Konstanten dieser Schau muten dann immer weniger herausfordernd als vielmehr redundant an. Sie sind des Kuscheligen einfach zu viel, was schließlich eine andere Vermutung bestätigt: Wie so viele New Yorker Maler im Ausgang der fünfziger Jahre hat auch der 1933 in North Dakota geborene, im vergangenen März gestorbene Pop-Art-Veteran den Zenit seines Schaffens in seinen jungen Jahren erlebt. Ein Los, das er mit weit schwereren künstlerischen Kalibern wie Jasper Johns und Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein und Andy Warhol teilte.

          Und doch ist diese letzte, umfassende Bilderschau, an deren Vorbereitung Rosenquist kurz vor seinem Tod noch aktiv beteiligt war, ein lohnenswertes, in der thematischen Durchdringung seiner Werke vorbildliches Unternehmen. Dies auch wegen der – eher wenigen – unbestritten guten Bilder unter den prominenten Leihgaben wie dem 1965 entstandenen Hauptwerk „F-111“ aus dem Museum of Modern Art samt Vorstudien; und wegen diverser interessanter künstlerischer Ideen in den Sechzigern: So flutete er – im Katalog zu bestaunen – ganze Bild-Environments mit Nebel aus der Trockeneismaschine wie 1970 im ehemaligen Kölner Galeriehaus Lindenstraße (ähnliche „Nebelräume“ hatte übrigens Gotthard Graubner schon zuvor realisiert). Rosenquist stattete einige seiner XXL-Formate, ziemlich cool, mit spiegelnder Metallfolie aus, oder er ließ in manchen Bildern mehrere Fenster aufploppen, so in seinem ikonischen „I Love You with My Ford“ von 1961: Das Auto und die amerikanische Mobilität, der Sex und das Instant Food, Spaghetti aus der Dose, schichten sich als Motive des American Way of Life wie ein Big Mac – das ist Kino im Gewand von Malerei. Man spürt förmlich, wie so etwas auf spätere Künstler, von David Salle bis Michel Majerus, gewirkt haben muss, und umgekehrt führen die Bilder zurück zu René Magritte.

          Man hat James Rosenquist den „europäischsten“ unter den Pop-Malern genannt. Tatsächlich steckt sein Werk voller zeitgeschichtlicher Zitate und ist bisweilen geradezu altmeisterlich komponiert. Eine flauschige Peinture und der Wechsel zwischen Kontur und Vermalung betonen die Könnerschaft. Klingt eigentlich wenig nach klassischer Pop Art – schon gar nicht verbindet man mit Pop eine Bildkunst, die ohne Quellenkenntnis gar nicht zu verstehen ist. Hermetischen Pop – gibt es das? Eben dieses widersprüchliche Phänomen liegt bei Rosenquist vor, wie die Kölner Ausstellung in einer akribischen Recherche der Bildvorlagen aus dem Nachlass dokumentiert. Sie ordnet die komplexe Rosenquist-Ikonographie und öffnet die Augen für einen überraschend politisch denkenden Künstler.

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