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Rijksmuseum Amsterdam : Eine Rebellion auf allen Meeren

  • -Aktualisiert am

Adam van Breen: De exercitie met schild en spies Bild: Rijksmuseum Amsterdam

Was als Aufstand gegen Spanien begann und als Konflikt zweier Weltmächte endete: Das Amsterdamer Rijksmuseum erzählt die Geschichte des achtzigjährigen Freiheitskampfes der Niederlande.

          4 Min.

          Der Achtzigjährige Krieg ist uns kein Begriff. Die Sicht auf ihn wird durch eine hohe Mauer versperrt, die die Geschichte Mitteleuropas in zwei Teile spaltet. Diese Mauer ist jener andere, kürzere Krieg, den man, als er vorbei war, den Dreißigjährigen nannte.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Beide gingen im selben Jahr zu Ende – und tatsächlich hätten sich ohne den Friedensvertrag, der im Mai 1648 in Münster zwischen Spanien und den Niederlanden ratifiziert wurde, auch die anderen europäischen Mächte nicht fünf Monate später dort und in Osnabrück auf die Einstellung der Kämpfe in Deutschland geeinigt. Aber dieser Zusammenhang verliert sich im Dickicht der historischen Tatsachen. Es tut gut, gelegentlich an ihn zu erinnern, auch deshalb, weil man erst so wirklich begreift, wann und wo die Neuzeit Europas eigentlich begonnen hat.

          Die Ausstellung „80 Years’ War“ im Amsterdamer Rijksmuseum beginnt mit einer Büste Philipps II. und einem Bild des flämischen Malers Lucas de Heere. Das Gemälde zeigt den spanischen König, der auch der König von Flandern und Holland war, als Salomo, dem die Königin von Saba Geschenke bringt.

          Philipp macht dabei eine schlechte Figur, so wie auch in Wirklichkeit. Für die Geschenke in Form von Steuern und Zöllen, die ihm die niederländischen Handelsstädte brachten, gab er ihnen nichts zurück. Die städtischen Freiheitsrechte, die noch Philipps Vater Karl V. bestätigt hatte, bestanden zum Teil seit dem Hochmittelalter, nur die Freiheit der Religion gehörte erst seit kurzem dazu.

          Peter Paul Rubens, Portretten van Albrecht van Oostenrijk en Isabella van Spanje, ca. 1615

          Die Bevölkerung Flanderns bekannte sich mehrheitlich zum Luthertum, diejenige Hollands zum Calvinismus. Philipp dagegen sah sich als Haupt der Gegenreformation. Durch seine Religionspolitik wollte er die eigensinnigen Provinzen auch administrativ gefügig machen. Ein Jahr nach de Heeres Bild ging er zurück nach Spanien, sieben Jahre später schickte er ein Invasionsheer unter dem Herzog von Alba. Der Krieg begann als Aufstand gegen dessen Blutherrschaft. 1568 kam es bei Heiligerlee zur ersten Schlacht. Die Rebellen gewannen. Dann schlug Alba zurück.

          Ein anderes sprechendes Bild in dieser Ausstellung, die aus vielen zwei- und wenigen dreidimensionalen Objekten besteht, ist Adriaen van de Vennes „Die Seelenfischerei“. Es erzählt in allegorischer Form den Fortgang des Freiheitskampfes. Auf der rechten Seite des Glaubensstroms, über dem sich ein durchbrochener Regenbogen wölbt, stehen die Räte der sieben aufständischen Provinzen würdevoll am Ufer und sehen zu, wie Schiffbrüchige auf das reformierte Bekenntnis getauft werden. Links ringt der Papst mit seinen Priestern, von spanischen Granden und Hofnarren beäugt, in einem kippenden Boot um die im Wasser zappelnden Seelen.

          Das Gemälde entstand 1614, als das Band zwischen den Landesteilen schon zerrissen war. Die Feldzüge Albas und die Eroberung Antwerpens durch die Spanier hatten massenweise Glaubensflüchtlinge in den Norden getrieben und den lukrativen Überseehandel nach Amsterdam umgeleitet. In den Vereinigten Niederlanden wiederum, wie sie sich nach ihrer Lossagung von Philipp nannten, hatte sich der Calvinismus radikalisiert.

          Eine Kriegsausstellung ohne Schlachtgemälde

          1619, kurz vor dem Ende des zwölfjährigen Waffenstillstands, den er mit Spanien ausgehandelt hatte, fiel der Landesadvokat Johan van Oldenbarnevelt einer religionspolitischen Intrige zum Opfer. Das Schwert, mit dem er hingerichtet wurde, ist im Rijksmuseum neben dem Porträt seines Hauptgegners Moritz von Oranien ausgestellt. Ein Anhänger Oldenbarnevelts, dem die Flucht nach Deutschland gelang, war Hugo de Groot oder Grotius, der Begründer des modernen Völkerrechts. Er starb 1645 als schwedischer Diplomat in Rostock.

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