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Rembrandt virtuell : Amsterdam zog die Maler an

Im Vollbewusstsein ihrer Verantwortung: Dirck Santvoort malte die „Leiterinnen und Wärterinnen des Spinhuis“ 1638. Bild: AHM

Als er nach Amsterdam kam, hatte er wohl noch kein Porträt gemalt – aber der Konkurrenz eine Idee voraus: Das Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid zeigt virtuell die Kunst Rembrandts und seiner Kollegen.

          4 Min.

          Das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza hat nur einen Rembrandt in seiner Sammlung, das „Selbstporträt mit Hut und zwei Ketten“ von 1642/43. Um dieses Bildnis herum hat das Haus eine Ausstellung zusammengebracht, noch im Nachklang zum 350. Todestag im vorigen Jahr. Doch es geht bei den rund hundert Gemälden und Grafiken nicht nur um Rembrandt, sondern überhaupt um die Porträtmalerei in Amsterdam in den Jahren 1590 bis 1670. Von ihm selbst kommen rund vierzig Werke, darunter gut zwanzig Porträts. So entsteht ein reizvolles Panoptikum, gleichsam ein Gruppenbildnis mit unmittelbaren Vorläufern, Kollegen, Konkurrenten und Nachfolgern im niederländischen Goldenen Zeitalter.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Als Rembrandt im Jahr 1631 von seiner Geburtsstadt Leiden nach Amsterdam zog, gab es in der größten Stadt der unabhängigen Niederlande eine riesige Nachfrage nach Porträts. Eine enorme Anzahl von Kunden wollten sich und ihre Familien als repräsentativen häuslichen Schmuck gemalt haben. Der Bedarf kam vom Patriziat, von den urbanen Eliten der Amts- und Würdenträger, aber auch von Bürgern, die in der prosperierenden Stadt ihre Vermögen mit Handel und Gewerbe gemacht hatten. Das nicht länger vorwiegend kirchlich gebundene oder dem Adel vorbehaltene, sondern private Bedürfnis erstarkte vor allem seit 1578, mit dem Einzug der calvinistischen Herrschaft in Amsterdam. Beredte Zeugnisse dafür sind die Gruppenbildnisse der Bürgergarden und Bürgerwehren: Das Genre der niederländischen Gruppenporträts erreicht seinen Höhepunkt. Am bekanntesten wird Rembrandts „Nachtwache“ von 1642 werden, die Darstellung der Amsterdamer Büchsenschützengilde.

          Es ist anzunehmen, dass damals Tausende von Porträts in Amsterdam gemalt wurden, von denen die allermeisten verlorengingen. Doch blieb ein beträchtlicher Teil erhalten. Bis heute sind mehr als 130 der Maler identifizierbar, die vom Ende des sechzehnten bis ins letzte Drittel des siebzehnten Jahrhunderts Porträts produzierten und von denen man Werke kennt. Die Preise waren hoch: Ein Brustporträt in Lebensgröße kostete etwa vierzig Gulden, ein Bildnis in Halbfigur sechzig Gulden und ein Dreiviertelporträt um die achtzig Gulden; für hundert Gulden gab es ein lebensgroßes Ganzporträt. Zum Vergleich: Ein einfacher Handwerker verdiente maximal 250 Gulden im Jahr.

          Gruppenporträt mit den Regeln der Historienmalerei

          Als Rembrandt nach Amsterdam kam, hatte er, heißt es, noch kein Porträt gemalt. Dabei gab es in der Hauptstadt starke Konkurrenz, und sie hatte Klasse, wie die in Madrid gezeigten Werke eindrucksvoll vor Augen führen: Cornelis van der Voort, Cornelis Ketel und Jacob Backer oder Aert und Gerrit Pietersz lauten die Namen der erfolgreichen Kollegen.

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