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Rembrandt : Im Schatten goldener Zeitenblüte

Anatomie eines Stils: Eine Ausstellung im Amsterdamer Rijksmuseum eröffnet das Rembrandt-Jahr. Sie feiert den vor vierhundert Jahren geborenen Maler als Erfinder einer neuen Sicht auf die Welt.

          Das Licht kam früh. Etwa zweiundzwanzig war Rembrandt, als er eines seiner berühmtesten Selbstporträts malte: Die Züge des Gesichts tauchen schemenhaft, nur von einem schräg stehenden Licht erhellt, unter einer wirr wirbelnden Haarmähne auf; als müsse der Charakter aus dem Gewusel herausgemäht werden, schlägt die Physiognomie des Malers eine Schneise durchs Dickicht des Haar-Dschungels.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Das Bild ist ein frühes Beispiel für die halsbrecherische Lichtregie, die Rembrandt berühmt machte. 1606 wurde der Sohn eines Müllers und einer Bäckerstochter in Leiden geboren, und der vierhundertste Geburtstag des Malers wird in diesem Jahr mit über einem Dutzend Ausstellungen begangen.

          Den Auftakt macht das Amsterdamer Rijksmuseum, in dem man die achtzehn im Besitz des Museums befindlichen Werke in einem Raum nahe der berühmten „Nachtwache“ zusammengeräumt hat, darunter die dramatische „Steinbrücke“ von 1638, das Bild eines aufziehenden Sturms, der sich als abstrakte Wolke ins Bild frißt und die von grellem Restlicht erhellte Szene fortzufegen droht.

          Eine große Erzählung

          Die bedrohte Kontur, die Auflösung statischer Form zugunsten eines gesteigerten Ausdrucks sind durchgehende Motive in den Bildern dieser Ausstellung. Zu sehen ist neben dem Porträt als junger Mann auch ein zweites berühmtes Selbstbildnis, das zweiunddreißig Jahre später entstanden ist und den Künstler als Apostel Paulus zeigt. Rembrandt macht hier aus dem Gesicht des Künstlers die Kraterlandschaft eines bewegten Lebens: Die leichte Falte in der Stirn, ein feuchter Glanz im Auge, ein unmerklich hängendes Lid, eine aus Farbflecken und Pinselschlägen zusammengesetzte Haut fügen sich zu einer großen Erzählung zusammen.

          Es war auch dieses Bild, das zum Mythos des Malers beigetragen hat und den Grundton zahlloser Rembrandt-Romane und Biographien vorgibt: Die Geburt in einfachen Verhältnisssen und die Lehrzeit bei dem Maler Jacob van Swanenburgh; der Umzug nach Amsterdam, der Kontakt zum Hof des Niederländischen Statthalters Frederik Hendrik, der Rembrandt in den dreißiger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts den gesellschaftlichen Aufstieg im Holland des Goldenen Zeitalters ermöglichte; die Hochzeit mit Saskia, der Nichte des Kunsthändlers Hendrick van Uylenburgh, die bald nach der Geburt des Sohnes Titus stirbt; die tiefe Trauer und die Schaffenskrise nach ihrem Tod, der juristische Krieg mit Titus' Amme Geertje Dircx, die Rembrandt wegen eines angeblichen Eheversprechens vor Gericht zerrt und selbst im Knast landet; schließlich die Rettung durch das Kindermädchen Hendrickje Stoffels (mit der Rembrandt 1654 eine Tochter bekommt), die jedoch ebenfalls früh stirbt; der knorrige Eigensinn und die Verschwendungssucht des vom Schicksal gebeutelten Aufsteigers, der nie ganz in der Welt zu Hause war, in die er sich hineingemalt hatte, der sich eine phantastische Kunstsammlung und eine opulente Stadtvilla zulegt, darüber bankrott geht und gebrochen und mittellos in den Armen seiner Tochter stirbt - all das wurde in Filmen und Romanen genüßlich ausgeschmückt, auch wenn es nur zu Teilen stimmte.

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