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Kassel zeigt Rembrandt : Und plötzlich lächelt sie uns an

Saskias Porträt fing Rembrandt in der Verlobungszeit an und malte es nach ihrem Tod zu Ende. Bild: Schloss Wilhelmshöhe

Kassels Gemäldegalerie zeigt stolz das schönste Porträt, das Rembrandt je von seiner Frau Saskia malte. Und fragt in einer Ausstellung nach dem Eheleben im goldenen Zeitalter der Niederlande.

          Wenn aus Gemälden bewegte Bilder werden, wenn sich Porträts so lebendig verhalten wie in den Harry-Potter-Romanen, kann das gefährlich werden: für den Betrachter, der sich in Obsessionen verlieren kann wie etwa der Held von Arno Schmidts Roman „Julia“, der sich in eine Oranier-Prinzessin aus dem 17. Jahrhundert verliebt und ihr in das Gemälde des niederländischen Malers Jan Mytens folgt, das sie mit ihren Schwestern zeigt. Und umgekehrt: gefährlich auch für das Bild, das seine Wirkung ja genau daraus bezieht, dass es kein Film ist, sondern den Anschein von Leben mit der Statik des Gemaltseins in einem Spannungsverhältnis verbindet.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Ausstellung „Kassel... Verliebt in Saskia“, die am Freitag in der Gemäldegalerie von Schloss Wilhelmshöhe in Kassel eröffnet wurde, führt den Besucher durch zwei Gänge, die miteinander die Schenkel eines „U“ bilden und die Liebes-, Heirats- und Ehegeschichte des Malers Rembrandt van Rijn und seiner Ehefrau Saskia van Uylenburgh erzählen. Eingebettet ist sie in die Darstellung der entsprechenden Bräuche in den damaligen Niederlanden und erweitert den Blick auf „Liebe und Ehe im goldenen Zeitalter“, so der Untertitel der Schau. Anders als die große Rembrandt-Ausstellung im Amsterdamer Rijksmuseum, die vor allem mit der schieren Fülle und Qualität der Exponate beeindruckte, hat diese ein klar umrissenes Thema, um sich im Jubiläumsjahr – der Maler starb vor 350 Jahren – unter einer Vielzahl von ähnlich gelagerten Ausstellungen zu profilieren. Dazu tat sich der Kasseler Kurator Justus Lange mit dem Fries Museum im niederländischen Leeuwarden, der Geburtsstadt von Saskia van Uylenburgh, zusammen, in dem die Ausstellung in veränderter Form bereits von November bis März zu sehen war.

          In Kassel ist sie fokussiert auf ein Bild, das wie kaum ein anderes über die Jahrhunderte der ganze Stolz der Sammlung gewesen ist, das Porträt der Saskia van Uylenburgh von der Hand ihres Verlobten, Gatten und schließlich Witwers. Es zeigt die Frau, die Rembrandt bemerkenswert häufig malte, auf eine Weise, die nichts mit den anderen Bildern und Zeichnungen gemein hat: kostbar geschmückt und mit einem derart extravaganten Hut versehen, dass er noch um 1900 als erkennbare Inspiration für verbreitete Modelle dienen sollte; im Profil und mit wegdriftender Aufmerksamkeit, die Augen auf etwas ganz anderes als den Maler gerichtet, ätherisch und nicht zu fassen; und schließlich mit Attributen, die Rembrandt nach ihrem frühen Tod hinzugefügt hat: der Hut bekam eine weiße Feder, und ihre Hände halten nun einen Rosmarinzweig, der die Treue der Liebenden über das Grab hinaus symbolisiert.

          Rembrandts „Selbstporträt mit Saskia“ aus dem Jahr 1636 Bilderstrecke

          Saskia starb 1642 mit 29 Jahren, und Rembrandt hatte das noch in der Verlobungszeit begonnene Bild eigentlich immer behalten wollen. Erst als die Finanznot des einstigen Erfolgsmalers gar zu groß geworden war, ließ er eine Kopie davon fertigen – auch sie ist in der Ausstellung zu sehen – und verkaufte das Original an einen Sammler. Über einige Stationen gelang es schließlich an den Landgrafen von Hessen-Kassel, zusammen mit sieben anderen von Rembrandt stammenden Bildern sowie einer großen Zahl weiterer Niederländer aus dem 17. Jahrhundert, wovon Kassels Gemäldegalerie noch immer profitiert.

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