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Fritz Lang als Bildhauer : Der Satyr ist der neue Mensch

  • -Aktualisiert am

Fritz Langs Dyonisos. Bild: Slovenian Cinematheque Museum Department

Eine Statue sucht ihren Macher: Bevor Fritz Lang einer der wichtigsten Filmregisseure der Moderne wurde, war er ein dionysischer Bildhauer.

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          Der Satyr scheint unsere Anwesenheit amüsiert zur Kenntnis zu nehmen. Er lächelt versonnen, während zwei spitze Hörner seine Haare durchstoßen. Mit seiner Rechten trägt er eine Weinrebe, deren Trauben deutlich zu erkennen sind. Weinblätter bedecken seine Ohren, und neben der Wange links erkennt man weitere Trauben.

          Ob es sich bei der Skulptur gar um eine Darstellung des Weingottes Dionysos handelt, wie in der Sekundärliteratur immer wieder behauptet wurde, ist schwer zu entscheiden, sind die Attribute von Satyr und Dionysos doch nahezu identisch. Hörner und Ranken im Haar charakterisieren diese Figuren als sinnliche Akteure, bei denen die Grenze zwischen Mensch und Tier durchlässig, wenn nicht aufgehoben erscheint. Ihre nicht selten zur Schau gestellte Sexualität kennzeichnet sie als lüsterne Triebwesen. Für die hier zu besprechende Skulptur trifft dies jedoch nur eingeschränkt zu, scheint der Satyr doch nicht nur zu lächeln, sondern auch nachzusinnen. Dabei fungiert der erhobene Arm mit der Weinranke als Grenze zum Betrachter und stellt eine Art Distanznahme dar.

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