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Reaktionen in Deutschland : Kulturbetrieb streitet über Umgang mit China

  • Aktualisiert am

Kulturstaatsminister Bernd Neumann fordert China zur Freilassung Ai Weiweis auf, spricht sich aber gegen ein vorzeitiges Ende der Aufklärungs-Ausstellung in Peking aus. Herta Müller kritisiert die Schau scharf. Deutsche Reaktionen auf Ais Verhaftung.

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          Die Inhaftierung des regimekritischen chinesischen Künstlers Ai Weiwei und die deutsche Schau „Kunst der Aufklärung“ in Peking schlagen im deutschen Kulturbetrieb weiterhin hohe Wellen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) forderte von der chinesischen Führung die Freilassung des Künstlers, sprach sich aber gegen ein vorzeitiges Ende der Ausstellung aus. Dagegen kritisierte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller mit scharfen Worten die Schau in Peking. „Es kommt mir vor, als würde die deutsche Kulturpolitik regelrecht winseln um Anerkennung durch China“, sagte die Schriftstellerin dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

          Ai Weiwei war am 3. April - kurz nach der Eröffnung der Ausstellung in Peking - verhaftet und verschleppt worden. Der offizielle Vorwurf gegen ihn lautet nach Behördenangaben auf „Wirtschaftsverbrechen“.
          Neumann schrieb in einem Gastkommentar für die „Bild am Sonntag: „Die chinesische Regierung bleibt dringend aufgefordert, Ai Weiwei umgehend freizulassen. Wir müssen uns hier weiter intensiv einmischen, denn die Inhaftierung darf als Akt diktatorischer Willkür keinen Bestand haben. Öffentlicher und internationaler Druck kann hier helfen.“

          „Dekoration für eine Propagandashow“

          Forderungen nach einem vorzeitigen Ende der Ausstellung im chinesischen Nationalmuseum mit Werken aus den Staatlichen Sammlungen in Berlin, Dresden und München erteilte Neumann eine Absage. Die Schau stehe für Toleranz und Freiheit. Das Begleitprogramm müsse aber als Plattform dafür genutzt werden, sich für die Freiheit der Kunst in China zu engagieren.

          Herta Müller sagte dem „Focus“: „Ich verstehe nicht, weshalb es die Deutschen sein müssen, die als Allererste Werke für eine Ausstellung in diesem Museumsklotz liefern, der doch nur ein Prestigeobjekt des Regimes ist.“ Die Bilder seien nun „Dekoration für eine Propagandashow eines autoritären Regimes“.
          Die Schriftstellerin plädierte für einen entschiedenen Kurs den chinesischen Machthabern gegenüber: „Ich glaube, das Regime würde dann eher etwas lernen, wenn es dafür isoliert wird, wie es mit seiner Bevölkerung umgeht. Diktaturen lernen nur durch Druck. Was Deutschland derzeit mit China macht, ist das Gegenteil von Druck.“

          Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), plädierte dagegen für eine Fortsetzung der Ausstellung. „Das ist nämlich genau das, was die Chinesen am meisten ärgert“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Die Gedanken der Aufklärung sind im Kern die Menschenrechte und die Würde des Einzelnen. Und genau das müssen wir nach China hineintragen.“

          Nicht solidarisch?

          In der Zeitung „Die Welt“ (Montag) kritisierte der Schweizer Kurator Hans-Ulrich Obrist Äußerungen des Chefs der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, als „nicht solidarisch“. „Wer Ai Weiwei als Effekthascher darstellt, der tut ihm Unrecht. Das ist eine Verdrehung von Tatsachen.“ Roth hatte mit Blick auf Ai Weiwei in einem Interview mit der „Zeit“ unter anderem gesagt: „Es gibt Hunderte Künstler wie ihn, über die spricht aber keiner, weil sie keine Popstars sind.“ Ulrich Wilmes, Hauptkurator am Haus der Kunst in München, nannte in der „Welt“ die Äußerungen Roths „menschenverachtend“.

          Der Architekt des renovierten und erweiterten chinesischen Nationalmuseums, Meinhard von Gerkan, bekräftigte, er würde auch weiterhin Symbolbauten in China bauen. „Sich hinzustellen und zu brüsten: „Ich baue nicht, also mache ich nichts falsch, halte ich für weltfremd und unglaubwürdig“, sagte Gerkan dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

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