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Raubkunst : Kommission: Historisches Museum darf Plakatsammlung behalten

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Das Deutsche Historische Museum Berlin darf die von den Nazis geraubte Plakatsammlung des jüdischen Kunstliebhabers Hans Sachs behalten und muss sie nicht an dessen Erben zurückgeben. Das empfiehlt die Kommission über den Umgang mit NS-Raubkunst.

          Das Deutsche Historische Museum Berlin (DHM) darf die von den Nazis geraubte Plakatsammlung des jüdischen Kunstliebhabers Hans Sachs behalten und muss sie nicht an dessen Erben zurückgeben. Das hat die vom Bund eingesetzte Kommission über den Umgang mit NS-Raubkunst am Donnerstag in Berlin empfohlen. Sachs (1881-1974) habe Anfang der siebziger Jahre zugestimmt, dass „West- und Ostdeutschland“ die Sammlung hüteten.

          Nach Zahlung einer Entschädigung von damals 225.000 Mark habe er außerdem seine materiellen Ansprüche als ausgeglichen betrachtet, erklärte die Kommission unter Vorsitz der früheren Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte die Empfehlung „fair und gerecht“. Er hoffe, dass die Beratende Kommission bei künftigen Streitfällen häufiger angerufen werde. Sachs' Sohn Peter zeigte sich dagegen enttäuscht. Die Sammlung, die in der Kaiserzeit und den Jahren der Weimarer Republik zu den weltweit bedeutendsten gehörte, umfasst noch 4500 Plakate. Bevor sie von der Gestapo beschlagnahmt wurde, waren es rund 12.500 Werke, darunter von Meistern wie Henri de Toulouse-Lautrec und Max Klinger.

          Pflege und Ausstellung

          Die Kollektion war nach dem Krieg verschwunden und tauchte 1961 in einem Ost-Berliner Keller wieder auf. Sie wurde dem DDR-Museum für deutsche Gesichte übergeben und ging nach der Wiedervereinigung in DHM-Besitz über. Sachs und seine Familie emigrierten 1938 in die Vereinigten Staaten. Die Kommission erwartet nun, dass das DHM die Leistungen des Pioniers der Geschichte der Plakatkunst und Gebrauchsgrafik nicht in Vergessenheit geraten lässt. Die Plakate sollen als Teil der Sammlung Hans Sachs aufbewahrt werden. Dazu gehöre auch ein Katalog sowie die Pflege und Ausstellung der Werke. Dies entspreche auch den Absichten des Sohnes und Erben, Peter Sachs, heißt es im Votum.

          Sachs habe seine Sammlertätigkeit auch als Dienst an der Öffentlichkeit verstanden. In einem Brief an einen westdeutschen Freund habe er sich über die „äußerst ansehnliche“ Entschädigung gefreut. Zwar könne der ideelle Verlust nicht ausglichen werden, er wolle aber bei Pflege und Erschließung der Sammlung helfen. Der in Amerika lebende Sohn Peter Sachs war enttäuscht über die Empfehlung. Sein Anwalt Matthias Druba kritisierte, dass sich die Kommission auf Briefe stütze, die Sachs im Kalten Krieg geschrieben habe, als seine Sammlung noch in DDR-Händen war. Peter Sachs hatte die Rückgabe auf Grundlage des Washingtoner Abkommens gefordert, das die Restitution von NS-Raubkunst regelt und von der Bundesrepublik mitunterzeichnet wurde.

          Sachs und das DHM hatten den Fall der Kommission zur Schlichtung vorgelegt. Das Museum betrachtete mit der Entschädigungszahlung den Fall für erledigt. Mitglieder der von Bund, Ländern und Gemeinden gegründeten Beratenden Kommission sind unter anderem Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und der Historiker Reinhard Rürup.

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