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Rätsel in Herculaneum : Was trieb Caesars Schwiegervater an?

  • -Aktualisiert am

In Herculaneum, Pompejis Nachbarstadt, wurden Reste von Ebenholz und Elfenbein entdeckt. Jetzt sind sie als Teil eines Dreifußes identifiziert, der den Forschern Rätsel aufgibt. Welche Funktion hatte das ursprünglich sakrale Möbel in einer Luxusvilla?

          In diesen Tagen geht im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel eine grandiose, viel zu wenig beachtete Sonderausstellung zu Ende. Zum ersten Mal nach rund zweihundertfünfzig Jahren wurden nahezu alle Bildwerke, die man zwischen 1750 und 1790 in der Vesuvstadt Herculaneum entdeckt hatte, wiedervereint. Ergänzt wurde dieser Bestand, auch das ein Faszinosum, um Funde aus jüngster Zeit, allen voran ein perfekt erhaltenes Marmorrelief mit dionysischen Szenen, das erst im Februar dieses Jahres gefunden worden ist. Nur der antike „hölzerne Thron“ aus der Villa dei Papiri, dessen Entdeckung 2008 als Sensation durch die Weltpresse ging, fehlte. Warum, wird noch zu erläutern sein.

          Die einst von den Ausgräbern der Bourbonen geborgenen Werke wurden in der Sonderschau einander so zugeordnet, wie sie im Jahr 79 nach Christus aufgestellt waren. So ragten denn kolossale marmorne Sitzfiguren der Kaiser Augustus und Claudius über den Köpfen der Besucher, flankiert von überlebensgroßen Bronzeplastiken, die beide Herrscher als nackte Heroen zeigen. Agrippina Minor war einmal in Bronze, einmal in Marmor zu sehen, dazu Titus als siegreicher Feldherr. Sie alle standen ehemals im Augusteum, dem als dachlose Marmor-Basilika gestalteten Forum Herculaneums.

          So hat noch niemand die Antike gesehen

          Von gleich frappanter Qualität sind Ehrenstatuen der Stadtpatrone Marcus Nonius Balbus Vater und Sohn sowie deren Stammmutter Viciria, sämtlich aus der Basilika Noniana, die diese Dynastie den Bürgern und ihrem eigenen Ansehen gestiftet hatte. Aus der Villa dei Papiri schließlich war ein bisher wenig bekannter lebensgroßer Homer in Marmor zu sehen, dazu die lanzenschwingende Athene, der berühmte ruhende Hermes, der lachende Satyr, die attischen Tänzerinnen sowie bronzene Büsten pergamenischer Könige und Philosophen samt der des reifen Dionysos. Ihre immer wieder den Atem raubende Qualität wurde ergänzt um eine elegante neoklassische Demeter, die ebenso wie eine Amazonenbüste mit deutlichen Farbspuren aus der neuen Grabung stammt; die Demeter wurde 1997 in der Villa dei Papiri, die Amazone 2006 in der Basilica Noniana entdeckt.

          Wiedervereint zur einstigen Repräsentation und Suggestion - so hat noch niemand die öffentlichen und privaten Räume der Antike gesehen. Herculaneum, das wurde schlagartig klar, ist damit mehr als nur eine Pompeji gleichende Zeitkapsel, aus der das antike Erbe der Nachwelt so reich und unverfälscht wie an keiner anderen antiken Stätte entgegentritt. Wohlhabender und gepflegter als das von hektischem Handel gekennzeichnete Pompeji, ist diese vergleichsweise winzige Stadt für uns eine Schatz- und Wunderkammer antiker Hochkunst.

          Das bekräftigen die neuen Ausgrabungen, organisiert von der „British School“ , finanziert vom „Ercolano Conservation Project“, einer Stiftung von David Woodley Packard, dem Sohn des Gründers des amerikanischen Technologiekonzerns. Was schon die Winckelmann-Generation ahnte, als die ersten Funde in Herculaneum eine Euphorie auslösten, die den Klassizismus Europas einleitete, wird nun vollends sichtbar: Herculaneum, die Kleinstadt zu Füßen des Vesuv, war ein Rom en miniature, ausgestattet mit Bauten und Werken hauptstädtischer Kunst.

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