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Pritzker-Preis : Und das, findet ihr, ist gute Architektur?

Quadratisch, praktisch, aber auch gut? Die juristische Fakultät von Girona in Katalonien, gebaut von RCR. Bild: mauritius images

Der als „Nobelpreis für Architekten“ bekannte Pritzker-Preis geht überraschend an das Büro RCR Arquitectes. Das sieht nach einer Verlegenheitslösung aus.

          Ein Preis sagt oft mehr über die Sehnsüchte derer aus, die ihn vergeben, als über die Qualitäten derer, die ihn bekommen - das ist beim Literatur-Nobelpreis seit Jahren so, und das ist nicht anders beim Pritzker-Preis, der mit 100.000 Dollar dotiert ist, von der Hyatt Foundation vergeben wird und mittlerweile als größter denkbarer Ritterschlag in der Welt der Architektur gilt - wobei das Schwert für diesen Ritterschlag immer verdellter und verbogener aussieht.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Viele Architekten, die schon zum Zeitpunkt der Verleihung als „Star-Architekten“ galten, haben den Pritzker-Preis erhalten - Renzo Piano, Jean Nouvel, Herzog & de Meuron, Sir Norman Foster. Architektur-Stars und Pritzker-Preis waren Teile eines Systems, die sich gegenseitig in ihrer Bedeutung steigerten: Der Pritzker-Preis verstärkte den Ruhm der Baumeister, ihr Ruf das Renommee des Preises. Selten wurde ein Büro erst durch den Pritzker-Preis international bekannt.

          Überdruss an der „Starchitecture“

          Doch je stärker der Überdruss an der sogenannten „Starchitecture“, desto intensiver versucht die Pritzker-Jury, den Ruf loszuwerden, bloß die letzte Vergoldungsinstanz ohnehin berühmter, weißer, männlicher Architekten zu sein. Im vergangenen Jahr wurde der Preis an Alejandro Aravena vergeben, der zwar auch weiß, mittelalt und männlich war, aber immerhin als Vertreter eines „social turn“ in der Architektur galt. Diese Entscheidung allein verriet viel über die Sehnsucht der Jury, dass Architektur wieder an der Verbesserung der Lebens- und Alltagswelt des Menschen arbeiten möge. Dass dazu auch spektakuläre Kulturbauten gehören könnten, ging in der dogmatischen Abgrenzung von „Starchitecture“ und „social turn“ leider unter.

          In diesem Jahr nun will man offenbar den Ruch, nur Stars zu prämieren, dadurch loswerden, dass erstmals ein nur regional bekanntes Büro den Preis erhält. Das ist an und für sich eine positive Nachricht, denn es gibt zurzeit mehr prämierungswürdige kleinere Büros, die 100.000 Dollar gut brauchen könnten, als je zuvor.

          Nur was spricht dafür, aus der Vielzahl dieser Büros ausgerechnet die im spanischen Olot tätigen Architekten Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramon Vilalta auszuwählen? Die öffentliche Loggia, die sie vor dem La Lira-Theater in der Kleinstadt Ripoll bauten, ist ein etwas martialischer, aber interessanter Raum, halb Theater ohne Seitenwände, halb schattige Piazza. Das Weingut Bell-Lloc wäre ein gutes Haus für einen Bond-Bösewicht. Aber sonst? Bauten sie ein Altersheim, dessen überdesignte, sargschwarze Gebäude sich zu allem Überfluss um einen alten Schornstein herumgruppieren, was der Anlage insgesamt etwas unschön Krematoriumshaftes gibt, und einen kreischbunten Kindergarten, der aussieht wie ein umbautes Exerzierfeld, das man im letzten Moment unter Einsatz schrillster Farben auf Nutzung durch kleine Menschen ummodeln wollte. Was für eine Art von Raum (und nicht nur: welche Farben) Kinder brauchen, wurde hier nicht besonders erhellend beantwortet.

          Und das gefeierte Pierre Soulages-Museum in Rodez? Will so sehr selbst rostig-schicke Skulptur sein, dass die Werke darin verkümmern. Vieles, was RCR Arquitectes entwirft, ist vollkommen überdesignt und zeigt eher, wie der kostenintensive Design-Manierismus mancher „Starchitecture“ sich bis tief in die Provinz hineingefressen hat.

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