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Neues vom Humboldtforum : Banalität mit Stern

Partizipativ und interkulturell soll es werden, das neue Humboldtforum. Bild: dpa

Berlins neue Pläne für das Humboldtforum sind dem Präsentationspapier nach zu schließen vor allem eines: Ganz schön viel pompöse Rhetorik.

          Wenn man das „Präsentationspapier“ liest, in dem das Land Berlin sein Konzept für die geplante Dauerausstellung im ersten Stock des Humboldtforums umreißt, fällt einem eine Zeile des expressionistischen Dichters Jakob van Hoddis ein: „Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut.“ Dreißig Seiten hat das Papier, und gefühlte fünfundsiebzig Mal fällt darin das Wort „interkulturell“, direkt gefolgt von „partizipativ“, „communities“ und „global“. Auch Sternchen sind großzügig über den Text verstreut, allerdings nicht in Form von Filmstars, sondern als Satzzeichen des gender-bewussten Neusprechs: Da werden „Arbeiter*innen“ zu „Kämpfer*innen“, „Auswander*innen“ halten zu „Freund*innen“ Kontakt, und fast bedauert man, dass nicht auch der Stadtname selbst ein Schwesterchen bekommt: Berl*innen, aufgepasst!

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Nur eines will die mit pompöser Rhetorik verkündete und mit bunten Computerbildern illustrierte Berlin-Ausstellung auf keinen Fall sein - eine Ausstellung. Nein, das, was sich da als „transparenter und partizipativer Prozess“ entwickelt, soll in eine Serie von „Aspekt-Räumen“ münden, zwischen denen es „thematische Berührungspunkte, aber keine logische Abfolge“ gibt. Einer dieser Räume handelt beispielsweise vom Krieg; hier sollen „Berliner Emigrant*innen in den Vereinigten Staaten bis hin zu russischen Rotarmist*innen in den Straßen Berlins und die Beziehungen zwischen Berliner*innen und NS-Zwangsarbeiter*innen“ im Mittelpunkt stehen. Ein anderer trägt das Motto „Revolution“; darin wird das Berlin der zwanziger Jahre als „internationales Zentrum des Antikolonialismus, aber später auch der Straßengewalt der Nationalsozialisten“ dargestellt.

          Man könnte noch viele Sätze aus dem Dokument zitieren, ohne auch nur eine Spur eines aufregenden oder wenigstens präzise formulierten Gedankens zu finden. Aber die Frage ist ja nicht, warum die Stadt Berlin dem Bildungsbürger, der schon lange keiner mehr ist, mit solchem Wortkonfetti den ebenfalls längst ausrangierten Sonntagshut vom Kopf schießen will. Die Frage ist, warum sie in einer Angelegenheit, von der so viel mehr abhängt als ein paar Beamtenstellen in der Senatskulturverwaltung, sich selbst die antikoloniale Narrenkappe aufsetzt.

          Ein Duell zwischen Kultur- und Baupolitik

          Dabei war es Berlin, das Anfang vergangenen Jahres als Erste aus der Fehlplanung für die erste Etage des Humboldtforums ausstieg. Im Februar 2015 verkündete der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller, anstelle einer durch Sprachlabore aufgemotzten Außenstelle der Zentral- und Landesbibliothek werde eine Ausstellung über die Metropole Berlin im östlichen Halbgeschoss entstehen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die zusammen mit der Humboldt-Universität die andere Stockwerkhälfte bespielt, hätte sofort nachziehen und die dort geplante Fachbücherei der Ethnologen ebenfalls streichen können. Aber offenbar brauchte das von Neil MacGregor angeführte Intendantentrio erst einmal ein Jahr, um seine eigenen Einfälle zu sortieren. Inzwischen ist klar, dass auch die drei Gründungsintendanten von den alten, abstrusen Plänen abrücken wollen; Näheres dazu soll im November bekanntgegeben werden.

          Jetzt kommt alles darauf an, ob es gelingt, die Änderungen an der Bauplanung durch kluge Ideen plausibel zu machen. Denn die Umgestaltung wird Geld kosten, und sie wird die Eröffnung des Humboldtforums verzögern, um ein halbes, vielleicht ein dreiviertel Jahr. Gegen diese Aussicht aber wehrt sich die Bundesbauministerin, deren Ressort für die technische Bauausführung zuständig ist, mit allen Mitteln. Ihr inhaltliches Interesse am Humboldtforum ist gering. Um so mehr muss Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der eigentlich politisch Verantwortlichen, an einer Neukonzeption des ersten Obergeschosses gelegen sein. Es ist ein Grundsatzkonflikt, der hier ausgetragen wird, ein Duell zwischen Kultur- und Baupolitik. Die Kultur kann es nur gewinnen, wenn sie ihre größte Stärke ausspielt: ihre Intelligenz.

          Partizipativ und interkulturell

          Paul Spies, der Kurator des Landes Berlin im Humboldtforum, hatte die undankbare Aufgabe, in dieser Partie den ersten Zug zu machen. Spies, zugleich Direktor der Stiftung Stadtmuseum, ist seit Anfang Februar im Amt. Die sechs Monate, in denen er sein Ausstellungskonzept entwickeln musste, haben für eine Sammlung von Stichworten ausgereicht: Sprache, Mode, Migration, Revolution, Vergnügen, Krieg. Der Rest ist heiße Luft. Eine Umplanung lässt sich so nicht erzwingen. Dafür bräuchte es Konzepte, die mehr sind als Banalitäten mit angehängten Sternchen.

          Im Herbst kommen dann die Gründungsintendanten an die Reihe. Eine Ausstellung in der Humboldtbox soll ihren Auftritt flankieren. Es geht um „Natur und Kultur am Humboldtstrom“. Das sind klare Worte. Mögen ihnen klare Pläne folgen. Es geht nämlich, anders als manche meinen, in Museen nicht darum, den Besucher partizipativ und interkulturell einzuseifen. Es geht darum, ihn zu überraschen. Und die Besucherin auch.

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