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Pläne für Haus der Kunst : Chipperfield warnt

Im Zentrum der Umbaupläne: Das seitlich hereinreichende Grün. David Chipperfields Pläne sehen deren komplette Entfernung vor. Bild: Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects

Der Architekt möchte den Ursprungszustand des Gebäudes wiederherstellen und die nach dem Krieg vor der Riesensäulenreihe gepflanzten Linden fällen. Er sieht das Haus vor lauter Bäumen nicht.

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          Auf einer der allerersten Entwurfszeichnungen von Paul Ludwig Troost für das Haus der Deutschen Kunst sind Bäume vor der Fassade vorgesehen. Sie wurden nicht gepflanzt, wie der Bauherr auch anordnete, dass auf der Rückseite Bäume zu fällen waren. Adolf Hitler persönlich hatte Troost den Auftrag erteilt. Der für Wechselausstellungen errichtete und bis heute dafür genutzte Bau stellt auch permanent etwas aus: Hitlers Weltbild. Grünes musste ausgemerzt werden; in der Planierung des Gewachsenen zeigt sich der Biologismus, die idealistische Überhöhung vermeintlicher Lebensgesetze mit tödlichen Kosten.

          Gemäß der Rassenlehre triumphiert der Wille über die Natur; den Englischen Garten, den weltberühmten Landschaftspark, musste der Kunstbau beherrschen wollen. Der Architekt David Chipperfield möchte den Ursprungszustand des Gebäudes wiederherstellen und die nach dem Krieg auf dem Bürgersteig vor der Riesensäulenreihe gepflanzten Linden fällen. In einem Brief an das „Architects’ Journal“ hat Chipperfield seinen Vorschlag verteidigt. Er wiederholt das von Kunstminister Ludwig Spaenle enthusiastisch übernommene Argument, das Haus dürfe sich nicht mehr „hinter den Büschen verstecken“.

          Ein menschenfreundlicher Notbehelf

          Offensichtlich hat Chipperfield sein Konzept der Sichtbarmachung ohne Rücksicht auf die tatsächliche räumliche Situation entwickelt. Von einer camouflierenden Wirkung der Bäume kann höchstens die Rede sein, wenn sie Laub tragen. Aber nie bringen sie den Säulenriegel zum Verschwinden. Es ist schlicht unmöglich, den Koloss zu verstecken. Die Begrünung ist nur ein menschenfreundlicher Notbehelf im Umgang mit diesem barbarischen Monument der Idee einer deutschen Höchstkultur, gibt eine Ahnung von dem Boulevard, der die Prinzregentenstraße vor Hitler war. Im Sinne des Naturschutzes wie eines Denkmalschutzes, für den zur Geschichte von Gebäuden der Hitlerzeit die späteren Eingriffe gehören, müssten die Bäume bleiben. Chipperfield warnt: Dann wäre der Betrieb des Ausstellungshauses gefährdet – oder jedenfalls die weitere Expansion der Geschäftstätigkeit. „Wie kann eine kulturelle Institution wachsende und substantielle Bedeutung gewinnen, wenn sie weiter eine so unbehagliche Erscheinung abgeben muss?“

          Was ist „uncomfortable“ am Führerkunstbau? Nicht seine Geschichte, sondern seine „presence“: weil der Kordon der Bäume den Bau in einem „zweideutigen Schwebezustand“ („ambiguous limbo“) gefangen hält. Der „zweideutige städtische Kontext“ mache es schwer, für die öffentliche Bedeutung der Institution einzutreten (übersetze: Sponsoren zu werben). Wie bitte? Ein auf Gegenwartskunst spezialisiertes Ausstellungshaus soll mit Ambiguität nicht umgehen können? Chipperfield sieht das Haus vor lauter Bäumen nicht.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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