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Philipp Demandt im Gespräch : „An Frankfurt führt kein Weg vorbei“

Manchmal hängen in Ausstellungen die Werke auf eine Art nebeneinander, eigentlich friedlich, doch in Wahrheit wollen sie einander verdrängen, und an dieser Vorstellung ist unbedingt etwas dran. Manchmal aber kann man bei Ausstellungen auch ganz gelassen bleiben, wenn etwa Kritiker darüber schreiben, daran sei das und das auszusetzen. Denn es ist vielleicht bloß das Wiedersehen mit einem einzigen Bild, das einen ungeachtet des Rests der Ausstellung schon zufrieden macht – oder eigentlich fröhlich, in Ihrem Sinne.

Das ist genau so ein Aspekt. In der Alten Nationalgalerie gibt es ein wunderbares Kabinett, das auch ganz schöne Proportionen hat, es ist sechseckig. Und ich dachte darüber nach, dort immer nur ein einziges Bild aufzuhängen und eine Bank davorzustellen. Denn dieser Raum hatte so was von einer Klause, man ist wirklich ein bisschen abgezogen von der Welt. Es gibt ein Bild in Japan, das ich dort gern aufgehängt hätte und einfach nur die Bank davorgestellt. Der Künstler heißt, den Namen habe ich mir gemerkt, Hashimoto Kansetsu, und das Bild heißt „Der Morgen nach dem Regen“. Es ist ein sehr großes Bild, auf beigem Grund, da sind zwei Affen zu sehen. Der eine Affe trinkt aus einer Pfütze, und der andere Affe guckt den Betrachter an. Deshalb kann ich das mit dem einen Bild, das zufrieden oder fröhlich macht, absolut nachvollziehen. Natürlich ist man als Kunsthistoriker ein bisschen trainiert auf diese Art der Betrachtung. Ich gehe ganz gezielt in Museen, um mir nur ein oder zwei Werke anzuschauen. Ich gehe zum Beispiel immer in New York in die Frick Collection, um mir den Thomas Morus von Holbein anzugucken. Ich bin dort vor einigen Jahren sogar angesprochen worden von der Aufsicht, die unruhig wurde, weil sie dachte, ich würde irgendetwas planen.

Gut, dass Sie keinen verdächtigen Akzent haben!

Ja! Aber wenn ein Museum es schafft, eine solche Stimmung zu erzeugen bei einem Besucher, dann ist das schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann und sollte.

Eine letzte Frage noch: Es gibt ja Direktoren von Museen – oder es hat sie wenigstens lange gegeben –, die regelrecht Angst vor dem Kunstmarkt, den Händlern und den Auktionshäusern, haben. Das sieht bei Ihnen nicht so aus ...

... absolut, diese Angst ist mir gründlich abtrainiert worden! Das liegt einfach an der langen Tätigkeit in der Kulturstiftung der Länder, wo Sie täglich mit dem Kunsthandel zu tun haben. Sie sind quasi ein Teil des Handels, weil Sie nicht nur kaufen, sondern eben auch prüfen – und Sie müssen sehr lange verhandeln. Das haben wir in der Kulturstiftung häufig auch alles gemacht, vor allen Dingen für die kleineren Museen, weil dort die Expertise naturgemäß nicht so groß war. Aber hier im Städel müssen Sie niemandem erklären, wie der Kunstmarkt funktioniert. Und nein, ohne Kunstmarkt gäbe es keine Museen. Die Kunstsammlung von Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, auf der die Nationalgalerie in Berlin begründet ist, stammt aus dem Kunsthandel. Und genauso ist es mit der Gründungssammlung von Johann Friedrich Städel, sie ist irgendwoher gekauft. Wenn man das, wie so vieles im Leben, historisch betrachtet, dann relativiert sich doch einiges.

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