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Peter-Klaus Schusters Abtritt : Ein Adieu mit Koons und Klee

Rhetorisch in gewohnter Hochform, präsentierte sich der aus seinem Amt scheidende Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster, bei seiner letzten Ausstellungseröffnung.

          Es war sein letzter Auftritt als General: Rhetorisch in gewohnter Hochform, knüpfte der am heutigen Freitag aus seinem Amt scheidende Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster, zur Eröffnung der Doppelausstellung mit Werken von Paul Klee und Jeff Koons in der Neuen Nationalgalerie ein rasch herbeigezaubertes geistiges Band zwischen dem introvertierten Klassiker der Moderne und dem Oberflächenreize auskostenden Strategen des Kunstmarktes.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Die Konfrontation von Klee und Koons schließt einen zehnteiligen Ausstellungszyklus zum „Kult des Künstlers“ ab, mit dem sich Schuster von Berlin verabschiedet.

          Museumsszene aufgemischt

          Vor neun Jahren in der Nachfolge von Wolf-Dieter Dube zum Generaldirektor und Hausherrn der Nationalgalerie berufen, mischte der am 9. Oktober 1943 in Calw geborene Kunsthistoriker Schuster nach verantwortungsvollen Tätigkeiten in Hamburg, Nürnberg und München die von Nachwende-Problemen paralysierte Berliner Museumsszene kräftig auf.

          Sein Hauptaugenmerk galt von Anfang an der Bestandvermehrung durch die Akquisition kompletter Sammlungen. Die Kollektion des Kunsthändlers Heinz Berggruen wurde 2000 angekauft, es folgten Teile der Kollektion des Galeristen Paul Maenz, des Industriellen Friedrich Christian Flick und des auf Konzeptkunst spezialisierten Egidio Marzona.

          Newton und Warhol angelockt

          Der Modefotograf Helmut Newton erhielt im Gebäude der ehemaligen Kunstbibliothek am Bahnhof Zoo die Möglichkeit zur Dauerpräsentation seines Lebenswerkes. Die Sammlung Scharf-Gerstenberg bezog den östlichen Stülerbau am Charlottenburger Schloss, wo sie als Dauerleihgabe ein Bleiberecht bis 2018 genießt. Ihren privaten Status mit Gelegenheit zu Verkäufen aus dem Fundus, wie er mit Andy Warhols „Big Electric Chair“ praktiziert wurde, bewahrt die im Hamburger Bahnhof stationierte Sammlung Marx bis heute.

          Ein zweites zentrales Anliegen Schusters war die Wiederherstellung des Welterbes der Museumsinsel, ergänzt durch das zukünftige „Humboldtforum“ im rekonstruierten Stadtschloss, das dermaleinst die in Dahlem schlummernden außereuropäischen Sammlungen aufnehmen soll.

          Architekturmuseum gescheitert

          Während die Alte Nationalgalerie und das Bodemuseum bereits glanzvoll wiedereröffnet werden konnten, fällt die für den Oktober 2009 angekündigte Premiere des von David Chipperfield restaurierten Neuen Museums bereits in die Amtszeit von Schusters Nachfolger Michael Eissenhauer.

          Zu den Blütenträumen Peter-Klaus Schusters, denen die Reifung versagt blieb, gehörten die Gründung eines Architekturmuseums und die Einrichtung einer Berliner Dependance des Pariser „Musée National d'Art Moderne“.

          Und was kommt nun?

          Dagegen erfreuten sich seine großen monographischen Ausstellungen mit Werken von Francisco Goya, George Grosz oder Pablo Picasso eines überdurchschnittlich guten Besuches. 560 000 Interessenten sahen „Babylon - Mythos und Wahrheit“ im Pergamonmuseum.

          Während das Feuerwerk der zehn Abschiedsausstellungen noch bis Anfang 2009 an Schusters Ingenium erinnern wird, wird der Generaldirektor a.D. bereits im kalifornischen Getty-Museum über „die Geschichte der Berliner Museen 1933 bis 1945“ forschen, und man darf gespannt sein, welche Folgen das für die vormals von ihm betreuten Häuser haben wird.

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