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Corot-Ausstellung in Paris : Er malte sie, wie er sie sah

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Camille Corot ist für seine eindrucksvollen Landschaftsmalereien bekannt. Paris zeigt ihn nun auch als Maler moderner Porträts.

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          Im Louvre hängt eines der Hauptwerke von Jean-Baptiste Camille Corot, das Ölgemälde „Souvenir de Mortefontaine“ von 1864. Corot malte es auf dem Höhepunkt seiner Karriere, mit 68 Jahren. Es zeigt eine idyllische, in der Erinnerung irisierende Landschaftsszene mit einem von Wald umgebenen See, an dessen Ufer sich eine Mutter und zwei Kinder beim Spielen amüsieren. Hauptfigur bleibt jedoch die Landschaft: im lauen Wind zitternde Blätter, die Spiegelung der Bäume auf dem Wasser und vor allem das Licht mit einer dunstigen und doch leuchtenden Stimmung. Das Licht gibt sogar den Ton an, es zaubert schillernde Flecken auf das Kleid, auf Blätter und Grasbüschel. „Souvenir de Mortefontaine“ zeigt einen Maler, der auf erstaunliche Weise die verschiedenen Strömungen seiner Zeit assimiliert. Seine Ausbildung ist noch ganz dem idealisierenden Klassizismus verpflichtet, während die romantischen Maler und der zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aufkommende Realismus – mit Gustave Courbets Verankerung der Malerei in einer gesellschaftlichen Wirklichkeit – sowohl die Pinselführung verändern als auch die Sujets erneuern.

          Camille Corot gehört keiner dieser Bewegungen an. Er nimmt sie jedoch auf und verarbeitet sie auf seine Weise, immer auf der Suche. Am liebsten malt er sur le motif, zieht schon auf seiner ersten, unerlässlichen Italien-Reise von 1825 bis 1828 zum Malen hinaus ins Freie, dann als Pionier der Plein-air-Malerei in die Umgebung von Barbizon. Durch die Beharrlichkeit, mit der er sich ein Leben lang für das Licht, die Stimmung und den momentanen oder in der Erinnerung verbliebenen Eindruck, die „impression“, interessiert, bereitet er den Weg in die Moderne.

          Als die Landschaften unwichtig wurden

          „Er ist noch immer der Größte, er hat alles vorweggenommen“, soll Edgar Degas im Jahr 1883 über den acht Jahre zuvor verstorbenen Camille Corot gesagt haben. Noch einmal, Jahre später, bestätigt Claude Monet das Urteil: „Es gibt nur einen Meister: Corot.“ Es mag erstaunen, wie sehr die Malergeneration nach Corot, Impressionisten und erste Moderne, den sehr stetigen Landschaftsmaler bewunderten, der jedes Jahr, ohne besonderen Anstoß zu erregen, ein Gemälde im streng akademischen Pariser Salon ausstellte.

          Aber sie alle – neben Degas und Monet etwa Edouard Manet oder sein Schüler Camille Pissaro – hatten auch Werke von ihm gesehen, die er kaum öffentlich zeigte und bewusst in seinem Atelier zurückhielt – die großen und kleinen Gemälde mit Porträts ihm nahestehender Menschen, vor allem aber mit den Bildraum einnehmenden und für die Malerei archetypischen „Figurae“: die Odaliske oder die Bacchantin, die Griechin oder die Italienerin, die Lesende, die Frau am Brunnen, der Mönch oder der Mann in Rüstung.

          Unter dem Titel „Corot – Der Maler und seine Modelle“ zeigt das Pariser Musée Marmottan Monet genau diese sehr persönliche und zu seinen Lebzeiten fast geheime Produktion. Mit Leihgaben aus aller Welt führt die vom Louvre-Kurator Sébastien Allard ausgerichtete Ausstellung sechzig Gemälde zusammen und stellt Corot durch die Konzentration auf die Figur in eine völlig neue Perspektive. Auch seine Landschaften sieht man nach dieser Ausstellung mit anderen Augen.

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