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Legendäre Paparazzi-Fotos : Hütet euch vor diesen Bilderdieben!

Noch nie waren Fotos von Paparazzi Thema einer Ausstellung. Aber jetzt! Eine Schau in Metz zeigt Motive, Arbeitsethos und Selbstverständnis der Branche.

          4 Min.

          Vergewaltiger“ nennt Mazarine Pingeot die Paparazzi. Auf die Männer mit den Teleobjektiven, die ihr einst nachstellten, ist die außereheliche Tochter des verstorbenen französischen Präsidenten François Mitterrand nicht gut zu sprechen. Aber richtig skandalös findet die Schriftstellerin die Entscheidung des Centre Pompidou in Metz, den Voyeuren unter dem Titel „Paparazzi!“ eine eigene Ausstellung zu widmen. Eine inakzeptable „Verkehrung der Werte“ sei das, empört sie sich, die „Bilderdiebe“ ins Museum einziehen zu lassen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Mit ihrer Kritik steht die Präsidententochter, deren Existenz 1994 durch einen französischen Paparazzo enthüllt wurde, bei weitem nicht allein. Der einflussreiche Radiojournalist Jean-Michel Apathie rief zu einem Boykott der Ausstellung auf, da sie „eine Beleidigung unserer Werte“ darstelle. Mit Steuergeldern werde die Arbeit von moralisch verwerflichen Gestalten aufgewertet, deren Alltag aus „Bespitzeln, Bestechen und Belügen“ bestehe. Mit Kunst habe das nichts zu tun. „Wie kann die Kulturministerin das nur billigen?“, fragte Apathie.

          „Ratten“

          Kurator Clément Chéroux kommt die Polemik nicht gänzlich ungelegen. Denn schließlich weckt sie das Interesse an der Ausstellung, die noch bis zum 9. Juni in Metz zu sehen ist. Von einer Adelung der Schnappschüsse und Skandalbilder, betont Chéroux, könne dabei nicht die Rede sein. „Wir urteilen nicht. Wir wollen nur ein gesellschaftliches Phänomen beleuchten“, sagt der Kurator, der die Fotosammlung des Centre Pompidou in Paris leitet.

          „Ratten“ nennen sie sich untereinander, sagt Michel Giniès, ein französischer Paparazzo im Ruhestand. Auf ihn geht ein beträchtlicher Teil der insgesamt mehr als 600 ausgestellten Werke zurück. Denn Giniès ist nicht nur für seine Schnappschüsse von Brigitte Bardot, Marlene Dietrich, Catherine Deneuve oder Grace de Monaco bekannt. Er hat auch frühzeitig angefangen, Fotos anderer Paparazzi zu sammeln. Als Chéroux ihn vor drei Jahren wegen des Ausstellungsprojektes kontaktierte, habe er sofort zugestimmt, seinen Fundus zur Verfügung zu stellen. „Es war an der Zeit, die Ästhetik der Paparazzi-Aufnahmen näher zu untersuchen“, sagt Giniès.

          Kamerajäger auf der Pirsch

          Er nennt sich „einen Paparazzo der alten Schule“, der „nur im öffentlichen Raum“ fotografierte, niemals aber versucht habe, in die Schlafzimmer einzudringen. „Die Privatsphäre ist tabu“, sagt Giniès. Dass dies keineswegs der Leitsatz der meisten Paparazzi ist, wird im ersten Teil der Ausstellung vorgeführt. Die besten Camouflage-Techniken sind da bildlich nachgestellt. Vom „Greis“ im Sonntagsanzug, der sich als entfernter Verwandter unter die Hochzeitsgesellschaft mischt, bis zum im grünen Dickicht des Stadtparks kaschierten Manne im Baumkostüm ist nichts ausgelassen. Das Vokabular der Paparazzi, betont Kurator Chéroux, sei dem der Jagd angelehnt, die Kamerajäger sind Spurenleser, sie „treiben“ ihre „Beute“. Oftmals stehen sie tagelang „auf der Pirsch“.

          Im Film „La dolce vita“ hat Federico Fellini Ende der fünfziger Jahre den Begriff „Paparazzi“ erfunden. Die Jagd mit der Kamera nach prominenter Beute jedoch begann schon zur Jahrhundertwende. Als eines der ersten Opfer wird in der Ausstellung Otto von Bismarck gezeigt, den die Fotografen Max Christian Priester und Willy Wilcke am 31. Juli 1898 ablichteten - auf seinem Totenbett. Die „Illustrierte Zeitung“ weigerte sich indes, das Skandalfoto zu drucken, und stellte im August 1898 eine retuschierte Zeichnung des verstorbenen Reichskanzlers auf die Titelseite.

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