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Pae White in Neuss : Kunst aus Kalifornien

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Was hier im Raum hängt, ist heiter, nicht wolkig. Die amerikanische Künstlerin Pae White entwickelt aus Alltagsobjekte eine eigene Form und sucht die Nähe zum Design.

          Es schillert und flimmert, Lichtpunkte werden von zahlreichen Scheinwerfern auf die Wand geworfen, Farben flirren vor den Augen. Es ist, als würde die riesige Halle aus nacktem Beton tanzen, die Tadao Ando für die Langen Foundation auf einen unscheinbaren Acker am Niederrhein gebaut hat. Die filigranen Mobiles der kalifornischen Künstlerin Pae White, aus bunten Papierplättchen und Spiegeln gemacht, hängen an dünnen Fäden aufgeknüpft von der Decke und rufen eine Fülle an Bildern hervor: Sie erinnern an einen Wasserfall, der in der Luft angehalten wurde, an das Flirren impressionistischer Gemälde, an einen Schwarm Vögel.

          Diese theatralisch inszenierte Eleganz bestätigt zunächst alles, was die 1963 geborene Künstlerin zu ihrem Markenzeichen gemacht hat: Überwältigung, ästhetische Perfektion, Schönheit. Auch die Kritik schien sich früh darauf geeinigt zu haben, die Kunst Pae Whites mit Begriffen wie „hinreißend“, „halluzinatorisch“ oder „magisch“ zu belegen; manchmal ist auch von „Einrichtungsphantasien“ oder „Wohnwelten“ die Rede.

          Doch wer genauer hinsieht, entdeckt an den Rändern und zwischen den raumhohen Mobiles ein paar schräge Gestalten: Skulpturen, die nur aus einem einzigen Faden bestehen, mit unordentlich darauf aufgefädelten amorphen Elementen aus Kunststoff, Leder oder Papier. Sie sind die selten gezeigten Charakterdarsteller dieser Schau; die schrulligen Verwandten der eleganten, raumfüllenden Mobile-Damen, die sich auch gleich noch über ihre modernistischen Ahnen wie Alexander Calder oder Richard Lippold zu amüsieren scheinen, ohne die Pae Whites Werk nicht denkbar wäre.

          Ihre schwerelos wirkenden Mobiles machten die Künstlerin ab Mitte der neunziger Jahre bekannt. Pae White verband Objekte aus dem Alltag mit der Hochkultur, sie verschränkte Design und Kunst ineinander, sie weigerte sich, zwischen angewandtem Design und künstlerischer Kreation zu unterscheiden. Viele Projekte realisierte sie mit ihrem damaligen Partner Jorge Pardo.

          Fast schon Konsenskunst

          An der Aufhebung dieser Grenzen arbeiteten auch andere Künstler wie Andrea Zittel, Tobias Rehberger oder Johannes Wohnseifer. Die Idee war nicht unbedingt neu, doch so umfassend hatte seit fast hundert Jahren niemand mehr über eine Verbindung von Design und Kunst nachgedacht, seit Arts and Crafts, Art Nouveau und Wiener Werkstätten die ganze Welt als gestalterisches Projekt betrachteten. Pae White schuf spielerische Architekturen, Lampen, Visitenkarten und Plattencover. Alles war gleich wichtig, und alles war hübsch anzusehen, und die Frage, ob etwas noch Design sei oder schon Kunst, schien endgültig obsolet geworden.

          Diese Haltung machte sie zu einer vielbeschäftigten Künstlerin, deren heiter wirkende und stets monumentale Arbeiten so perfekt in den öffentlichen Raum passen, dass man fast schon von Konsenskunst sprechen könnte: Whites „Restless Rainbows“ flirren rhythmisch über das Art Institute in Chicago, für die Osloer Nationaloper schuf sie einen zweiundzwanzig mal elf Meter großen Bühnenvorhang. In der South London Gallery hat sie gerade 48 Kilometer rotes Acrylgarn zu einer raumfüllenden Spinnwebe verspannt, in dem man herumlaufen und verborgene Wörter entdecken kann.

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