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Österreich : Dem Piefke ein Denkmal

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„Piefke“ ist eine keineswegs freundliche Bezeichnung, mit der sich Österreicher von ihren bundesdeutschen Nachbarn absetzen. Nun aber hat der vermutliche preußische Namensgeber doch tatsächlich nahe bei Wien ein Denkmal erhalten.

          Johann Gottfried Piefke war ein preußischer Militärmusiker. Und so viel die Österreicher - zumindest im neunzehnten Jahrhundert, in das die Lebenszeit Piefkes fiel - für Militärmärsche übrig gehabt haben mochten: Für die Preußen waren ihre Sympathien nach der Niederlage bei Königgrätz 1866 nicht hoch. Piefke aber leistete es sich auch noch, den Marsch für die Siegesparade der preußischen Armee zu komponieren. Wofür er von den Österreichern abgestraft wurde, die seinen Namen fortan als keineswegs freundliche Bezeichnung zuerst für Preußen, dann schlichtweg für alle Deutschen, ja selbst Bayern gebrauchten.

          So zumindest geht eine der Geschichten, die den Ursprung des Wortes „Piefke“ erklären wollen. Nach ihr verdankt sich der Ausruf „Die Piefkes kommen“ dem Umstand, dass der unglückliche Johann Gottfried und sein Bruder Rudolf Ende Juli 1866 in Gänserndorf bei Wien anlässlich einer preußischen Truppenparade das Musikcorps dirigierten. Womit eben die ursprüngliche Assoziation von Piefkes mit Preußen zustande gekommen sei.

          Seelische Verwerfungen

          Ob diese Geschichte stimmt, lässt sich zwar bezweifeln. Aber die Bezeichnung hielt sich jedenfalls. Schließlich konnte sie sich in Österreich mit manchen Animositäten gegenüber „den Deutschen“ aufs Beste verknüpfen. Von ihnen war man wirtschaftlich, fremdenverkehrstechnisch und vorübergehend auch politisch abhängig, was bei einer ausgeprägten Kulturnation - „liegst dem Erdteil Du inmitten“ - nur zu seelischen Verwerfungen führen kann.

          Nun aber hat man ein Piefke-Denkmal enthüllt. An dem Ort, der sich geradezu aufdrängt. Nicht auf der Ringstraße - wofür vielleicht die „Wien-Tourismus“-Agentur plädiert hätte - sondern in Gänserndorf. Und auch der Erste Gänserndorfer Musikverein war bei der feierlichen Enthüllung der stattlichen, 2,9 Meter hohen „Klangskulptur aus Cortenstahl“ dabei. Die auf den Bildern zu sehende Scheibe, die an eine Schallplatte erinnert, lässt bei Bewegung ein Kratzgeräusch hören, und der Stahl soll in den nächsten Monaten auf dekorative Art rosten.

          Weitere Interpretationen werden vom Künsterduo „wechselstrom“ dazu nicht gereicht. Den Gänserndorfern gefällt ihr Piefke offenbar, Königgrätz ist auch schon eine Weile her. Die Deutschen könnten sich revanchieren. Wie wäre es etwa mit einer Installation, die die Idee jener Maschine aufnimmt, die Helmut Qualtinger einmal beschrieb: der „Trinkgeldautomat“. In den werfe man eine Münze ein, und der Trinkgeldempfänger tut, was in Österreich sich in dergleichen Fällen schicke - nämlich nichts. Es war das natürlich eine Maschine insbesondere für Piefkes.

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