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Humboldt-Ausstellung : Odyssee im Weltwissensraum

Zeitgenössische Zeichnungen zeigen Alexander von Humboldt: Eines der 350 Objekte in der Ausstellung. Bild: EPA

Wilhelm und Alexander von Humboldt sind die Galionsfiguren des Berliner Schlosses und der neuen Kulturpolitik. Das Deutsche Historische Museum widmet den beiden preußischen Brüdern eine umfassende Ausstellung.

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          Sie bekommen ein Schloss. Das steht fest, auch wenn niemand genau sagen kann, wann das Humboldt-Forum endlich alle vier Etagen hinter den neubarocken Sandsteinfassaden eröffnen wird. Bis Ende 2021 könnte es dauern, vielleicht, je nach „Bauverzögerung“, dem Euphemismus für Pfusch, auch noch länger. Aber den Humboldts, Alexander und Wilhelm, soll es gewidmet sein, ihre Namen stehen für ein Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, das von Weltoffenheit, Weltbürgertum, Gleichrangigkeit der Weltkulturen künden soll und auf dessen Verwirklichung die deutsche Öffentlichkeit nun seit Jahren wartet, mit zunehmender Gereiztheit und abnehmender Geduld.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Ein Thema aber fehlt erstaunlicherweise auf der Themenliste des Humboldt-Forums: die Humboldts selbst. Zwar zeigt die Humboldt-Universität im ersten Obergeschoss einen Querschnitt ihrer historischen Schätze, zwar soll auf derselben Etage eine „Humboldt-Akademie“ Besucher mit der Idee des Forums vertraut machen, aber eine Dauerausstellung über die Brüder Humboldt ist, so weit bekannt, weder dort noch an anderer Stelle des Schlossbaus vorgesehen. Statt dessen gibt es jetzt schräg gegenüber, im Deutschen Historischen Museum Unter den Linden, eine Humboldt-Ausstellung, die am 19. April ihre Pforten wieder schließt, ein gutes halbes Jahr, bevor im Humboldt-Forum das erste Halbgeschoss eröffnet wird. Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode.

          Die Pointe der Ausstellung besteht darin, dass sie von Bénédicte Savoy kuratiert wurde, der schärfsten Kritikerin („Tschernobyl“) des Humboldt-Forums. Vor zwei Monaten widmete der „Spiegel“ dem Projekt von Savoy und ihrem Historikerkollegen David Blankenstein einen Vorbericht, der die Erwartung nährte, hier werde den Humboldts gründlich und gnadenlos der Prozess gemacht. Schließlich habe Alexander jahrelang „als Höfling“ gearbeitet und für den spanischen König und den Zaren Daten gesammelt. In Venezuela habe er – „kein gutes Vorbild“ – menschliche Gebeine geraubt, und über die „erdefressenden Otomaken“ am Orinoco äußerte er sich respektlos. Sein Bruder Wilhelm war währenddessen als „Diplomat seines Königs“ (nicht seines Landes) in Europa unterwegs. Für beide gelte, dass sie „standesbewusst“, lies: undemokratisch, gedacht und gehandelt hätten.

          In der Republik der Wissenschaften

          In der Ausstellung im DHM ist von diesem Sündenregister nichts zu sehen. Im Gegenteil: Erst in der Gesamtschau begreift man, wie sehr die Humboldts von der Französischen Revolution geprägt waren, deren Ausbruch sie mit Anfang zwanzig miterlebt hatten. Als die Pariser im Juli 1790 auf dem Marsfeld Erdwälle für die Bastille-Feiern aufschütteten, schob Alexander einen Schubkarren. Zwei Jahre später veröffentlichte Wilhelm seine „Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen“. Die Totalität der Weltbetrachtung, nach der die Brüder auf ihren jeweiligen Feldern strebten, war der Versuch, die republikanische Erfahrung in die Wissenschaft zu übertragen. Der Staat mochte Grenzen ziehen, der menschliche Geist überflog sie. Drei Jahre nach der gescheiterten Revolution von 1848 wurde Wilhelms Schrift als Manifest des Liberalismus wiederentdeckt.

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