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Kunstaktion : Freiheit für Nofretete!

Und deshalb haben Nelles und Al-Badri nicht nur Presse und Kunstmarkt an der Nase herumgeführt, sie haben für ihre Nofretete-Intervention auch noch die Museumswärter in Berlin und die Eigentümer der Nofretete, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, genarrt. Kameras mit ins Museum zu nehmen zur Nofretete ist verboten. Aber einen 3-D-Scanner? Davon lasen Al-Badri und Nelles nirgends etwas, als sie vor ein paar Wochen vor dem Neuen Museum in Berlin standen. Sie waren gerade erst aus Kairo zurückgekehrt, nach ihrer Reise in die Wüste, wo sie ihre originalgetreue, aber doch normal ungenaue Replik der Nofretete hatten ein- und ausgraben lassen.

Jetzt wollten sie so nahe wie nur möglich heran an die echte Büste - und an deren Daten. Den 3-D-Scanner hatte Al-Badri unter ihrer Jacke versteckt. Rund um die Nofretete standen zwar eine Menge Leute, die waren jedoch so vertieft in deren Gesicht, dass niemand merkte, wie Al-Badri ganz nah an der Büste ihren Schal zur Seite schob, damit der Scanner Nofretete erfassen konnte. Jedes Mal, wenn ein Wärter „no photo“ brüllte, zuckte Al-Badri zusammen. Doch sie war nie gemeint.

Die andere Nefertiti

Jetzt steht sie in Kairo in einem hohen Raum mit Glasfenstern zum Hof, in dem noch in großen Lettern „Radio Cinema“ auf dem hinteren Gebäude steht. Als Kairo noch wie Paris gewesen sein soll, war das ein Kino mit roten Samtwänden und stuckgeschmückten Decken. Al-Badri und Nelles bereiten hier im Seitenflügel des alten Kinos gerade ihre Ausstellung im Rahmen der ersten Off-Biennale in Ägypten vor, „The Other Nefertiti“, bei der sie auch das Geheimnis um das Video im Netz auflösen werden. Kurator der Off-Biennale ist Simon Njami, ein Schweizer Autor, der in Paris lebt und bekannt ist für seine Kritik am Eurozentrismus des Kunstbetriebs.

Aus den eingescannten Daten haben Nelles und Al-Badri einen 3-D-Druck erzeugt und mit in diesen Ausstellungsraum nach Kairo gebracht. Aus ihrer Tasche hebt Al-Badri eine Büste aus hellgrauem Polymer-Harz, die aussieht wie aus Alabaster und im Detail verblüffend schön ist. „Das ist die präziseste Replik der Form, die man gegenwärtig anfertigen kann“, sagt Nelles.

Würden sie sie noch bemalen lassen, wäre eine Unterscheidung von der echten Nofretete-Büste selbst für Experten nicht mehr möglich. Doch diesmal geht es den beiden Künstlern nicht darum, Betrachter glauben zu machen, es gäbe eine weitere Nofretete. Sie lassen sie unbemalt und stellen einen reinen Formspeicher aus - als Ankündigung dessen, was im Netz folgen soll.

Gebt die Daten frei!

Darauf, dass das Neue Museum es etwa dem British Museum gleichtut, das die Daten von Antiken bereits online zugänglich macht, wollen Nelles und Al-Badri nicht warten. „Im Zweifelsfall geht es auch ohne Zustimmung der Institutionen“, sagt Al-Badri. Noch in diesem Jahr wollen sie die Daten zur Nofretete im Netz veröffentlichen, unter einer Creative-Commons-Lizenz, welche eine kommerzielle Nutzung ausschließt.

„Damit verliert auch das Monopol des Museums auf die Kommerzialisierung an Wert“, sagt Nelles. Als Aktivisten wollen sie nicht gelten; anmaßend, ja, so könne man sie schon nennen. Schließlich gehe es ihnen darum, sagt Al-Badri, die Herrschaftsverhältnisse zu erschüttern. Mal sehen, ob die Büste in Berlin wackelt.

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