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Christian Jankowski : Reden wir über Kunst, Nina Hoss

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Die hat im besten Fall den Überblick, sieht Zusammenhänge, kann Dinge so anordnen und zeigen, dass vielleicht eine ganz neue Sichtweise auf sie entsteht. Ich fände es schade, wenn am Ende der Eindruck entstünde, für die Retrospektive hätte man einfach alles irgendwie zusammengeschmissen, ohne dass gewisse Linien oder Entwicklungen sichtbar sind. Also, die Kuratorin überlegt: Was zeigt man wie und wo und in welchem Zusammenhang. Was gehört in die Retrospektive, und wovon muss man sich verabschieden.

Und?

Es wird einen Kinosaal geben, in dem man sehr viele seiner Filme zeigen kann. Wir überlegen gerade noch, wie man die ordnet und vielleicht begrenzt. Für mich ist der mittlere Raum der interessante: Da kann man den Videokünstler auch als Bildhauer, als Künstler in mehreren Sparten sehen. Es wird dort natürlich auch Videos geben, aber man guckt sie als Teil eines Erlebnisses, würde ich mal sagen. Das ist für mich im Moment der spannendste Raum fürs Kuratieren (lacht sehr laut los). Das ist eine ganz tolle Aufgabe, und ich nehme sie auch ernst, aber nicht zu ernst.

Ihr Künstler wird in der Presse gerne als „Till Eulenspiegel“ der deutschen Kunst bezeichnet. Stört Sie das?

Wird er das?

„Der Hofnarr der Kunst“ liest man auch immer wieder, oder „Schelm“, oder der „Chefironiker des Kunstbetriebs“ ...

Das ist aber nicht das Einzige, was ihn ausmacht. Dass er Humor hat, meine ich. Aber es macht ihn sehr interessant. Weil, das gibt’s ja bei uns so selten. Aber wenn man nur das herausgreift, klingt alles viel niedlicher oder dumpfbackiger, als es ist. Ich würde seine Kunst auch nicht wirklich als lustig bezeichnen: Sie ist intelligent, mit Humor, einer spielerischen Leichtigkeit und mit Biss, so vielleicht.

Was, würden Sie sagen, ist sein Thema? Sehr viel kreist um den Kunstbetrieb, oder? Wenn er beispielsweise vier Redenschreiber Preisreden auf Künstler schreiben lässt, um auf die Floskelhaftigkeit im Reden über Kunst aufmerksam zu machen ...

... das war für den Preis der Nationalgalerie, den er dann nicht gekriegt hat ...

... oder wenn er innerhalb eines Museums die Mitarbeiter untereinander Jobs tauschen lässt und dann Filmemacher, die davon nichts wissen, beauftragt, Werbefilmchen über dieses Museum zu drehen.

Das war in Stuttgart, wo er ja auch unterrichtet. Ja, mit dem Kunstbetrieb, das zieht sich schon durch. Aber ob das jetzt nur mit dem Kunstbetrieb zu tun hat, das weiß ich gar nicht. Das liegt vielleicht einfach daran, dass das der Ausschnitt der Welt ist, in dem er arbeitet. Aber ich habe viel grundsätzlicher das Gefühl, er hebt immer die Realität aus den Angeln und wirbelt die Dinge herum und lässt sie neu auf den Boden fallen. Dadurch entlarvt sich so manches von allein.

Welche Arbeit mögen Sie ganz besonders?

Hm. Zum Beispiel seine erste: Schamkasten. Da war er noch Student, als er die gemacht hat. Da hat er Leute gebeten, auf ein Stück Pappe zu schreiben, wofür sie sich schämen, und sich dann damit in ein Schaufenster zu setzen. Und mit diesem Slogan sitzen sie dann da, und Leute gehen vorbei und sehen das. Das dauert Stunden. Ich habe mir das auch Stunden angeguckt, weil das so wahnsinnig aufregend ist, in diese Gesichter zu gucken. Dass ein Mensch sich hinsetzt, erst verschämt ist, manche wahnsinnig nervös ...

Für was schämen die sich zum Beispiel?

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