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New Yorks Museen : Tanker und Schnellboote

  • -Aktualisiert am

Mehr als MoMA: New Yorks Museumslandschaft vereint zahlreiche bedeutende Häuser, die sich mit spektakulären Ankäufen gegenseitig Konkurrenz machen. Die steigenden Kosten muß der Besucher tragen.

          Eine Woche vor Wiedereröffnung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York meldete sich das Metropolitan Museum of Art zu Wort - und stahl der Konkurrenz die Schlagzeilen. Philippe de Montebello, seit mehr als einem Vierteljahrhundert Chef des größten New Yorker Museums, gab den teuersten Ankauf in der Geschichte des Hauses bekannt: Zwischen 45 und fünfzig Millionen Dollar hatte das Metropolitan für das kleine Bild „Madonna mit Kind“ des Renaissance-Meisters Duccio di Buoninsegna gezahlt.

          Eindrucksvoll unterstrich das Haus mit diesem Coup seine Sonderstellung unter den New Yorker Museen. Wer die Animositäten der Direktoren untereinander kennt, konnte eine Bemerkung de Montebellos leicht als Spitze gegen Glenn Lowry, den alerten Direktor des MoMA, interpretieren. Indem eine wichtige Lücke in den Renaissance-Beständen des Hauses jetzt geschlossen sei, so Montebello, könne der Besucher in seinem Haus nun die vollständige Entwicklung der europäischen Malerei von ihren Anfängen bis in die Gegenwart verfolgen.

          Das Leuchten des MoMA

          Das MoMA wiederum ist das weltweit bekannteste New Yorker Museum. Und es wird von keinem anderen darin übertroffen, sein Licht in den Medien leuchten zu lassen. Der Unterschied zum einzigen wirklichen Konkurrenten in diesem Wettstreit, dem Guggenheim Museum in seinem Spiralgebäude von Frank Lloyd Wright, besteht darin, daß dieses Haus mit seiner aus mehreren Privatsammlungen zusammengesetzten Kollektion mit den Beständen des MoMA nicht konkurrieren kann.

          Das gilt auch für das Whitney Museum of American Art, das in dem architekturhistorisch zwar bedeutenden, aber eher abweisend wirkenden Bau von Marcel Breuer an der Madison Avenue seit seiner Gründung 1930 stets im Schatten des MoMA gestanden hat. Um die Liste der bedeutenden Häuser komplett zu machen, muß man das Brooklyn Museum of Art erwähnen, das abseits der Museumsmeile in Manhattan liegt und sich immer wieder als Enfant terrible geriert. Kürzlich ist in Beacon, eine Stunde von New York entfernt, noch die DIA Foundation mit ihrer konsequenten Sammlung der Verschränkung amerikanischer Minimal-Kunst und entsprechender europäischer Tendenzen hinzugekommen.

          Das älteste Haus am Platze

          Dagegen hatte das Schlachtschiff unter den New Yorker Häusern, das Metropolitan Museum, das auch das älteste Haus am Platze ist, von Anfang an den Anspruch eines Universalmuseums und ist ihm bis heute treu geblieben. Wenige Blocks entfernt, ebenfalls an der Fifth Avenue, befindet sich das Gebäude der Frick Collection. Mit ihrer abgeschlossenen, gleichwohl phänomenalen Sammlung alter Meister ist die Frick Collection der einzige Platz in New York, an dem man ein weiteres Bild von Duccio bestaunen kann. Diese beiden Häuser kann man also als sich gegenseitig ergänzende Sammlungen sehen. Zusammen bilden sie jedenfalls einen Bestand, der wahrscheinlich nur vom Louvre in Paris oder vom Prado in Madrid übertroffen wird.

          Natürlich hat die jeweilige Sammlungskonzeption der einzelnen Häuser etwas mit ihrer finanziellen Ausstattung zu tun. Die gigantischen Zahlen, die im Zusammenhang mit dem Neubau des MoMA genannt werden, verzerren ein wenig die wahren Verhältnisse. Die rund 850 Millionen Dollar, die Glenn Lowry insgesamt für den Neubau, den Umbau des Ausweichquartiers in Queens und andere notwendigen Arbeiten aufwendet, sind Sondermittel, die er zur Hälfte von seinen Trustees eingesammelt hat. Die andere Hälfte kommt von privaten Spendern und - immerhin - auch von der Stadt und vom Staat New York. Daß dies in diesem Umfang möglich gewesen ist, hängt auch mit der Bewertung des Finanzgebarens und der Kreditwürdigkeit des Hauses zusammen - festgelegt wie bei jeder anderen Firma von Ratingagenturen.

          Eintrittspreis von zwanzig Dollar

          Die meisten Häuser können von ihrem „endowment“, also dem in Aktien oder anderen Werten angelegten Vermögen, die laufenden Kosten nicht bestreiten, geschweige denn umfangreiche Neuankäufe tätigen. Auch das MoMA muß künftig rund 120 Millionen Dollar jährlich erwirtschaften, um seine Betriebskosten decken zu können. Das hat nicht zuletzt dazu geführt, daß der Eintrittspreis auf zwanzig Dollar erhöht wurde: ein Spitzenpreis, selbst in New York. Aus Rückflüssen von Vermögenswerten wird, nach dem Börsendebakel, nur noch etwa die Hälfte gedeckt.

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