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Gewerkschaft für Künstler : Muss die Kunstwelt gerechter werden?

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Für mehr Recht, für mehr Geld: Die britische Künstlergerkschaft „Artist Union England“. Bild: Artists’ Union England

Die Stars sind Millionäre, die Londoner Tate Modern meldet Besucherrekorde – doch die meisten Künstler leben am Existenzminimum. Jetzt gibt es in England eine erste Künstlergewerkschaft. Was kann sie erreichen?

          Was in der Kunstwelt schieflaufen kann, hat sich kürzlich gezeigt, als die englische Supermarktkette Sainsbury eine Anzeige schaltete, in der das Unternehmen den Entwurf einer Mitarbeiterkantine im Londoner Stadtteil Camden ausschrieb und für den Auftrag eine Künstlerin oder einen Künstler suchte. Bezahlen wollte Sainsbury dafür keinen Cent. Das nannte Sainsbury eine „career opportunity“, da der Auftrag schließlich ungeahnte Chancen böte. Das bedeutet: 0,00Pfund war Sainsbury die künstlerische Arbeit wert, als sei es selbstverständlich, dass von der Einkaufstüte bis zum Billigfleisch alles seinen Preis habe – außer der Kunst. Der britische Künstler Conor Collins antwortete prompt auf Twitter: „Liebes Sainsbury, hier kommt eine einzigartige Chance für euch!“ Er suche nämlich ein Unternehmen, das Erfahrungen dabei sammeln wolle, unentgeltlich alle seine Künstlerfreunde in Manchester durchzufüttern. Sainsbury entschuldigte sich schließlich.

          Wer sich mit Künstlern unterhält, wird auf solche Geschichten häufiger stoßen. Kaum eine Branche plündert den Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können, so rücksichtslos wie die Kunstwelt. Immer wieder setzen Unternehmen, Sammler, Galerien, Projekträume, Kunsthallen oder sogar Museen darauf, dass, wer Kunst produziert, über weite Strecken umsonst arbeiten könne. Nicht einmal dem Erzkapitalisten John D.Rockefeller wäre es allerdings eingefallen, dass der Tellerwäscher, der er selbst einmal war, am Anfang seiner Karriere einfach gar nichts verdienen soll.

          England ist, zumindest in Europa, das Land, in dem die Einkommensunterschiede in der Kunstwelt am weitesten auseinanderklaffen. Auf der einen Seite stehen die berühmten Künstlermillionäre, von denen einige besser als Unternehmer bezeichnet werden müssen, wie etwa Damien Hirst. Sein Vermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt. Als Investor lässt er inzwischen im südwestlich gelegenen Devon eine Kleinstadt errichten, in London selbst betreibt er ein Privatmuseum, die „Newport Street Gallery“, die gegenwärtig Jeff Koons ausstellt.

          Frauen sind unterlegen

          Auf der anderen Seite steht die Normalität des Künstlerlebens: Wie eine Umfrage ergab, die vor knapp zwei Jahren im Rahmen der Kampagne „Paying Artists“ geführt wurde, erwirtschaften Künstler in England mit ihrer Arbeit jährlich im Schnitt eine Summe, die gerade mal 37 Prozent des Durchschnittseinkommens entspricht. Wer sich allein auf die Produktion von Kunst verlässt, erreicht damit ein Gehalt, das nur 66 Prozent der Lebenshaltungskosten deckt, und sinkt so unter die Armutsgrenze.

          Noch schwieriger ist die Situation häufig für Künstlerinnen. Auch dazu gibt es aus London Zahlen: Laut einer Umfrage der East London Fawcett (ELF), einer Organisation, die sich für die Rechte von Frauen engagiert, zeigen die Galerien der Stadt vornehmlich die Arbeiten von Männern; der Frauenanteil der von Galerien vertretenen Künstler liegt bei nur 31 Prozent. Noch niedriger liegt die Rate der Einzelausstellungen von Künstlerinnen in den großen Institutionen; nur ein Viertel der monographischen Schauen dort wird mit Werken von Frauen bestritten.

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