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Neo Rauch wird gefeiert : Jünger werden

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An diesem Sonntag wird der deutsche Maler Neo Rauch fünfzig Jahre alt. Gleich zwei Ausstellungen feiern seinen Geburtstag. Wir hier feiern ihn zur Abwechslung mal als Literaten mit eigenem Sound - und zugleich als besten Erklärer seiner selbst.

          Ihr alle kennt die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an entweder Ernst Jüngers „Auf den Marmorklippen“ oder die Bilder des Neo Rauch ergreift.

          Der Maler jedenfalls schätzt und empfiehlt Jünger und seinen Roman sehr, wie er einmal in einem Interview erklärte - „diese Aufwirbelung der Pöbel-Massen, die schauderhaften Vorgänge im Unterholz menschlicher Perversionen, denen er sein parfümiertes Zurückgezogensein auf die Marmorklippe und in die darunterliegenden Sedimente der Kultur und des Wissens entgegensetzte“. Seine Malerei, besonders das Rhapsodische daran, ist oft genug mit der Stilistik Jüngers in Beziehung gesetzt worden. Gerade solche Interviews zeigen jedoch, dass Rauch auch verbal ein erstaunlich würdiger Stellvertreter auf Erden ist.

          Nächsten Sonntag, am 18. April, wird Neo Rauch fünfzig Jahre alt. Gleich zwei große Ausstellungen werden ihm zu diesem Anlass ausgerichtet, eine in Leipzig, eine in München. Und zu diesen Ausstellungen wird es mit Sicherheit auch wieder Interviews geben, die ein ästhetisches Erlebnis eigener Klasse sind. Wieder wird, dies ist ein Topos der Neo-Rauch-Literatur, der Aufstieg durch leere Fabrikhallen beschrieben werden, das Atelier in den Industrieruinen von Leipzig-Plagwitz, der Punkrock, der beim Malen läuft, das Konzert der Leinwände, die nebeneinanderher entstehen, und schließlich der Maler, der gutaussehend und höflich eine druckreife Sentenz an die andere schmiegt. Und dann wird auch wieder viel von Zuströmungen und Einschleichungen die Rede sein - und von den offenstehenden Schleusentoren des Unbewussten.

          Vorne Zu-, hinten -ung

          „Diese halbwachen Momente, in denen sich das Treibgut in meinen Schleusenkammern verfängt und zu neuen Ordnungen fügt, sind die Essenz meines malerischen Schaffens“, wird Rauch im Katalog zu den Ausstellungen zitiert. „Ich arbeite ja ganz bewusst nicht konzeptionell“, sagte er vergangenes Jahr der „Zeit“, „ich reagiere auf Zuströmungen.“ Er malt nicht, wie das die Surrealisten von sich behaupteten, ungefiltert seine Träume, „aber Zureichungen gibt es aus dieser Sphäre definitiv“, so Rauch in dem Interviewmagazin „Galore“. Er könne „nur darauf setzen, dass sich auf diesem mir hinlänglich vertrauten Wege der organischen Zufütterung irgendetwas niederschlägt“. Diesen Vorgang wird man sich nicht unbedingt als Schlaf vorzustellen haben, auch die Wachheit bekommt schlafwandlerische Züge: Auf die Frage, woher sich seine Bilderwelten speisten, erklärte Neo Rauch vor vier Jahren dem „Tagesspiegel“: „Aus allem, was mir im Lauf der Jahre zugespült wird. Wenn sich eine solche Zureichung einmontieren lässt, dann ist sie willkommen, ganz gleich, woher. Das können sogar polynesische Einflüsse sein; es hängt davon ab, was aus der Dielenritze vor mir emporquillt, welche Art Film heraufbeschworen wird zwischen mir und der Realität. Ich bin zwar Regisseur mit stählerner Faust, aber bis ich die zum Einsatz bringe, bin ich ein Somnambuler. Einer, der eher gleitet und schwebt, als dass er energisch dazwischenfährt.“ Solche Sätze wiederum beschreiben am Ende sogar das besser, was man auf den Bildern sieht, als alle noch so detaillierten Bildbetrachtungen. Verglichen mit Rauchs eigener Diktion bleiben selbst die einfühlsamsten Beschreibungsversuche leere Ekphrasendrescherei.

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