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Nasher Sculpture Center : Texanische Träume

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Ein Garten zum Träumen. Der Besucher wandelt darin zwischen Skulpturen der wichtigsten Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Nasher Center in Dallas ist eines der ungewöhnlichsten Museen Amerikas.

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          Ein Garten zum Träumen. Der Besucher wandelt darin zwischen Skulpturen der wichtigsten Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts. Eine Plastik von Henry Moore steht am Rande eines Bassins und grüßt hinüber zur gegenüberliegenden Seite, wo ein Werk Roy Lichtensteins antwortet.

          Zwischen ihnen steht eine der schönsten Plastiken von Barbara Hepworth, die flankiert wird von einer Skulptur von Richard Serra auf der einen und einer Arbeit von Jean Dubuffet auf der anderen Seite. Und so geht es weiter in diesem Traumpark der modernen Skulptur, der sich mitten im texanischen Dallas befindet. Man wagt nicht, sich vorzustellen, was ein solches Grundstück hier kosten mag, das umgeben ist von den Geschäftshäusern, die immer höher hinaufragen, weil die Grundstückspreise nicht mehr zu bezahlen sind.

          Vornehm zurückhaltender Bau

          Aber Raymond D. Nasher und seine Frau Patsy waren nicht nur in der glücklichen Lage, sich darüber keine großen Gedanken machen zu müssen, sie waren vor allem davon überzeugt, daß ihre Sammlung von Skulpturen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht länger allein ihrer privaten Erbauung und Freude vorbehalten sein sollte, sondern einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müsse. Wer in dem im Jahr 2003 eröffneten „Nasher Sculpture Center“, einem vornehm zurückhaltenden Bau von Renzo Piano, und seinem Park ins Träumen gerät, der mag einen vagen Eindruck davon bekommen, wie diese Sammlung in der Privatvilla der Nashers plaziert gewesen sein mag.

          Typisch für das Verhältnis des Sammler-Ehepaares zu seinen Skulpturen ist, was Raymond Nasher zu der ersten Erwerbung, einem Geburtstagsgeschenk seiner Frau, sagt. Es war eine Skulptur von Jean Arp, „Torso mit Knospen“, die in der Eingangshalle des Privathauses stand. Er habe sie dort plaziert, bekennt Nasher in einem Interview, weil sie dadurch in einem organischen Verhältnis zur Natur gestanden habe, die durch die großen Fenster sichtbar war. „Was für ein Gefühl, was für eine Berührung“, schwärmt der Sammler - und wenn man die Arbeit heute in den Räumen des Museums betrachtet, dann kann man ihm nur zustimmen, auch wenn man sie, anders als der Besitzer, leider nicht berühren darf.

          Ein perfekter Rahmen

          Die Museumssäle sind lichtdurchflutet. Das Sonnenlicht wird durch ein raffiniertes System von Aluminiumröhren auf den gebogenen Glasdächern gefiltert in die fünf parallel nebeneinander angeordneten Schiffe gelenkt. Diese stellen in ihrem zurückhaltenden Design und ihren edlen Materialien einen ebenso perfekten Rahmen für die Skulpturen dar wie der Park. Nasher hat seine Sammlung in diesem Haus nicht zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In einem von ihm gebauten Einkaufszentrum in Dallas waren bereits einige der Großplastiken aufgestellt gewesen.

          Er sei, so Nasher, fest davon überzeugt, daß die Angestellten zu einer höheren Produktivität fähig seien, „wenn Kunst in ihrer Umgebung eine wichtige Rolle spielt“. Dieser Sammler könnte ein perfektes Modell für einen amerikanischen Philanthropen abgeben, der seine eigene Begeisterung an die Gesellschaft weitergeben will, weil er von der Funktion von Kunst in der Gesellschaft überzeugt ist. „Ich möchte, daß Kunst ein fundamentaler Katalysator im Leben der Menschen ist“, sagt Nasher, und man kann sich vorstellen, daß ein Gang durch sein Museum dazu beitragen kann. Die Kollektion ist, anders als die „Hirshhorn Sammlung“ in Washington, nicht auf Vollständigkeit aus, sondern ausgerichtet auf Einzelstücke von herausragender Qualität. Da fällt es schwer, auch nur die wichtigsten Arbeiten aufzuzählen. Anführen könnte eine solche Liste der Gips für den kubistischen „Kopf einer Frau“ (Fernande) von Picasso, ein Schlüsselwerk des Kubismus. Folgen könnte ein Kinderkopf von Brancusi von 1906, eine Version von Brancusis „Kuß“ und vier Porträtbüsten seines Bruders Diego von Alberto Giacometti.

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