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Nachkriegskunst-Ausstellung : Der Agent, der aus der Kultur kam

Eine Berliner Ausstellung erforscht den Einfluss der CIA auf die Nachkriegskunst. Mit ihr konstruiert das Haus der Kulturen der Welt zwar ein Spannungsfeld, macht aber keine kohärente Geschichte daraus.

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          Es ist fünfzig Jahre her, da enthüllte das amerikanische Magazin „Saturday Evening Post“, dass der „Congress für Cultural Freedom“ (CCF) von der CIA finanziert wurde. Das Pariser Büro mit Verbindungen in mehr als dreißig Länder auf vier Kontinenten unterstützte Kunstprojekte, Ausstellungen, politische Zeitschriften, Symposien und vieles mehr, um westliche Gesellschaften, aber auch Staaten in Südostasien, Afrika und Lateinamerika gegen das Virus des Stalinismus zu impfen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Das Mittel dazu waren kritische Debatte und eine Kunstideologie des bürgerlichen Individualismus, als deren Speerspitze sich der abstrakte Expressionismus von Malern wie Jackson Pollock und Mark Rothko erwies – das „freie“ Gegenbild des Kunstschaffenden zum sozialistischen Realismus der Sowjetschule. Der Skandal nach der Enthüllung 1967 war groß; der CCF musste nach siebzehn Jahren Tätigkeit schließen. Viele Künstler und Schriftsteller – darunter Hannah Arendt, Heinrich Böll, Ignazio Silone und Isaiah Berlin – durften sich fragen, inwieweit sie benutzt worden waren.

          Zwei russische Emigranten, die sich vom Kommunismus abgewandt hatten, wurden zu entscheidenden Figuren in dieser Geschichte: Michael Josselson und Nicolas Nabokov. Sekundiert von deutschen Intellektuellen wie Frank Borkenau (der mit „Kampfplatz Spanien“ eines der bemerkenswerten Bücher über den Spanischen Bürgerkrieg geschrieben hatte), riefen sie 1950 im Titania-Palast in Berlin den Kongress für Kulturelle Freiheit ins Leben. Ernst Reuter, der Regierende Bürgermeister von Westberlin, unterstützte die Idee (und Willy Brandt feierte zehn Jahre später beim Jubiläumskongress mit). Dass die CIA beschlossen hatte, das Projekt zu sponsern, war damals nur der Kerntruppe bekannt.

          Mit ziemlich gutem Geschmack ausgesucht

          Mit Büchern, Dokumenten, viel Archivmaterial und einer Auswahl zeitgenössischer Kunst blickt die Ausstellung „Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg“ im Berliner Haus der Kulturen der Welt auf diese Zeit zurück: hitzige gesellschaftliche Debatte, große System- und Menschheitsfragen, Politik in jeder Faser des Privatlebens. Mustergültig ist die Recherche zu den vielen Dutzend Kulturzeitschriften, die der CCF auf die eine oder andere Weise förderte, und es gibt so viel zu lesen, dass man in der Ausstellung Stunden verbringen kann. Die wolkigen Einführungstexte des Kuratorenteams stellen da eher eine Behinderung dar, denn sie suggerieren, „Antikommunismus“ sei eine gefährliche Krankheit, die wir nachträglich zu diagnostizieren hätten. Inzwischen könnte es sich herumgesprochen haben, dass diese Haltung einfach die vernünftigere Option war. Es ging ja weniger um die „CIA“, also Männer mit dunklen Sonnenbrillen, als die Überlegenheit des liberalen Ostküsten-Establishments Amerikas, mithin (auch) um jüdische Denktradition gegenüber sowjetischer Betonideologie.

          Neuere Studien zur Rolle des „Congress für Cultural Freedom“ stellen etwas einfachere Fragen, statt die Rolle der CIA unter poststrukturalistischem Jargon zu begraben. In einer Rezension des Buches „Campaigning Culture and the Global Cold War“ etwa hat der amerikanische Historiker Patrick Iber von den vielfältigen Ironien gesprochen, die die Mission des CCF über die Kontinente hinweg begleiteten. Das Resultat der kulturellen Einflussbemühungen war nämlich überaus gemischt, und was das Lustigste ist: Der CIA dürfte das Erratische der eigenen Politik klar gewesen sein. Wie hätte es auch anders sein können, fungierte der CIA-Agent Michael Josselson doch gleichzeitig als loyaler CCF-Funktionär. Trug er die Kulturkappe auf dem Kopf, scheute er vor allzu direkter Intervention zurück, und mit Spionage im kulturellen Milieu hatte er schon gar nichts im Sinn.

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