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Bauhaus-Mythen : Ein kleiner Teil einer großen Bewegung

  • -Aktualisiert am

Teil einer Bewegung: Auch die Mathildenhöhe in Darmstadt verstand sich als lebensreformerische Institution. Bild: dpa

War das Bauhaus in Weimar wirklich so einzigartig? Im Westen Deutschlands gab es Reformschulen, die den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Es lohnt sich, sie wiederzuentdecken.

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          Walter Gropius war nicht der allergrößte Freund des Ortes, an dem die Zukunft beginnen sollte. Er ahnte, dass in „diesem rückständigen Bierdorf Weimar alles nicht so glatt gehen würde“, wie er im Bauhaus-Gründungsjahr 1919 seiner Mutter schrieb. Schon Harry Graf Kessler und sein Stararchitekt Henry van de Velde waren hier mit ihrer Utopie vom „Neuen Weimar“ gescheitert. Allzu wirkungsvoll hausten im Gral zeitloser Dichterweihe die Geister der Vergangenheit. In diesen Sehnsuchtsort floh die junge Republik dennoch anfangs gern – gebeutelt von einem chaotischen Berlin, in dem Hunger, Revolution, Straßenkämpfe und Leichen wie die von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zur düsteren Realität des Kriegsverlierers Deutschland gehörten.

          Constantin Fehrenbach, der Präsident der Nationalversammlung, brachte es auf den Punkt: „Von Berlin geflüchtet, haben wir hier eine sichere, trauliche Stätte gefunden. Mögen dem schönen Weimar und unserem lieben Vaterland bald bessere Tage werden.“ Doch die Tage wurden turbulent, widersprüchlich, abgründig. Das Bauhaus war emanzipatorisch und experimentierfreudig, ließ aber auch düstere Esoteriker und bekennende Rassisten wie Johannes Itten unterrichten, die nicht nur von weißen Wohnkisten träumten, sondern auch von einer weißen Herrenrasse und so dem einen Weg bereiteten, was nach 1933 geschah.

          Zu viel Rotes, zu wenig Goethe

          Im Jubiläumsjahr wird das Bauhaus als Projekt der Moderne weltweit gefeiert – und dabei von dunklen Zwischentönen bereinigt, bis es als Inbegriff eines demokratischen, experimentierfreudigen Deutschlands in alle Welt exportierbar ist. Die Folge: Der von der Politik massiv finanzierte Jubiläumsmarathon schafft neue Mythen, die man wie einen Firnis abnehmen muss, um der Wahrheit näherzukommen und das Bauhaus in seinem Kontext zu verstehen.

          Das Bauhausgebäude in Weimar beherbergt heute die Bauhaus-Universität.

          Mythos eins: Das Bauhaus entstand 1919 als Ausdruck eines demokratischen Neustarts. War das so? Der Reform-Europäer van de Velde bereitete seit Beginn des Jahrhunderts in Weimar mit der ganzheitlichen Bündelung von Werkstätten die Bauhaus-Idee vor. Während des Krieges lud er Walter Gropius als seinen Nachfolger ein. Einer der Gründe: Enttäuscht vom Großherzog und frustriert von der konservativ-aggressiven Atmosphäre in Stadt und Region, hatte er, wie bereits zuvor Graf Kessler, das Handtuch geworfen.

          Gropius übernahm, so gesehen, eine Ruine – aber hatte die Gunst der Stunde für sich: Ersten Planungen, die noch dem Großherzog vorlagen, folgte 1919 die Gründung. Das „Staatliche Bauhaus Weimar“ wurde das Kind der dort nur wenige Monate residierenden Reichsregierung, die Status und Namen anerkannte. Die Liaison von Kunst und Kunstgewerbe aber zerbrach, eine Architekturklasse kam in der Weimarer Zeit nicht zustande. Die Feinde dagegen waren erfolgreich: Thüringens Kleinstadt Weimar inszenierte diverse Bürgerinitiativen gegen allzu viel Expressionismus und Rotes, zu viel Moderne und Esoterik, zu viel Fremdes, zu wenig Goethekult und Neoidealismus. Das Bauhaus in Weimar gab es bald nicht mehr.

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