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Ausstellung „Muslim Fashion“ : Hip Hop im Hijab

Noch bevor irgendjemand sehen konnte, was dort eigentlich gezeigt wird, hat die Frankfurter Ausstellung über zeitgenössische muslimische Mode hohe Wellen geschlagen. Gibt sie wirklich Anlass, Frauenrechte in Gefahr zu sehen?

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          Museen sind keine Propagandaeinrichtungen. Jedenfalls nicht in San Francisco, nicht in Frankfurt oder New York. Niemand glaubte vor einigen Jahren nach dem Besuch der Alexander McQueen Ausstellung in New York, nun eine Hose tragen zu müssen, deren Bund unter Po und Scham sitzt. Niemand regte sich auf, dass eine solche Hose dort zu sehen war, und zwar unter dem Motto „redefining the trouser“. Warum sollte es mit „zeitgenössischer muslimischer Mode“ anders sein?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          In San Francisco machte im vergangenen Jahr eine Ausstellung im Museum de Young von sich reden, die „Contemporary Muslim Fashions“ hieß, angeregt von Max Hollein auf dem Weg von Frankfurt nach New York, in der recht kurzen Zeit, als er in San Francisco als Direktor verschiedener Museen Station machte, zu denen auch das de Young gehörte. In dieser Ausstellung ging es darum, mit dem stereotypen Bild der Muslima zu brechen, damit, wie eine muslimische Frau aussieht, was sie anhat, wie sie lebt.

          Die Ausstellung eröffnete zu einem Zeitpunkt, da der „Muslim Ban“ der Regierung von Donald Trump erwogen und teilweise durchgesetzt wurde, und war auch deshalb ein deutliches Statement: für mehr Offenheit gegenüber der muslimischen Kultur und für größere Neugierde auf sie. Gleichzeitig schuf die Schau eine Öffentlichkeit für muslimische Traditionen und ihre Bedeutung, für den aktuellen Umgang mit diesen Traditionen und möglicherweise ihrer Umdeutung durch eine junge Generation, die sich über die sozialen Medien ausdrückte und verständigte, und von Designern in der Diaspora.

          Als ginge es darum, die Scharia salonfähig zu machen

          „Redefining Muslim Fashion“ wäre auch ein schöner Titel gewesen, denn vor allem darum geht es: wie sich muslimische Frauen jenseits des Tschadors, des Niqab oder der Burka, den Zwangsbekleidungen für Frauen in radikalislamischen Ländern, kleiden und in der Öffentlichkeit auftreten möchten. Gleichzeitig haben die großen westlichen Modehäuser längst entdeckt, dass muslimische Frauen einen riesigen Markt bilden, der zu bedienen und abzuschöpfen ist, und entwerfen entsprechende Kollektionen. Die Haute Couture hat sich immer nach speziellen Kundenwünschen gerichtet, dass ist, wenn es um Sheikas oder arabische Königinnen geht, nicht anders. In San Francisco war die Ausstellung ein großer Erfolg. Proteste wurden nicht gemeldet.

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          Von Freitag an ist diese Ausstellung nun im Frankfurter Museum Angewandte Kunst zu sehen (und zieht von hier dann weiter unter anderem nach New York). Und schon bevor irgendjemand sehen konnte, was dort eigentlich gezeigt und auf welche Weise es präsentiert werden würde, schlug die Aufregung bereits hohe Wellen. Als ginge es darum, mit dem Zeigen von „modest fashion“ – so die Selbstbezeichnung dieser Moderichtung – die Scharia und Kleidervorschriften, deren Nicht-Beachtung in Teilen Indonesiens und in Iran oder Saudi-Arabien zum Beispiel drakonische Strafen nach sich ziehen, salonfähig zu machen. Als ginge es darum, der öffentlichen Zwangsverhüllung unter Strafandrohung das Wort zu reden.

          Mögliche Entschärfung beim Blick in die Ausstellung

          Es gab eine Zeit, da war der Minirock für Frauen ein Zeichen der Befreiung. So einfach ist es längst nicht mehr, was ein Blick ins Straßenbild und auf die Werbung für Billigwäsche ebenso belegt wie auf schwarzverhüllte Frauen oder junge Mädchen mit bunten Hijabs und knallengen Hosen. Dass Frauen, auch aus religiösen Gründen, es möglicherweise vorziehen, in langen körperfern wallenden Kleidern statt im engen Top und unter Umständen auch mit bedecktem Haar und Hals vor die Tür zu gehen, kann man in jeder westlichen Großstadt beobachten.

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